Möchte humanitäre und integrative Hilfe leisten: ASB-Geschäftsführer Michael Sander Foto: mf

Neue Notunterkunft

Das ehemalige Tennis Center Sportlepp beherbergt 800 Flüchtlinge

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Es musste alles ganz schnell gehen: Um Flüchtlinge vor Obdachlosigkeit zu bewahren, wurde das ehemalige Tennis Center Sportlepp in der Papenreye als Notunterkunft für 800 Menschen geöffnet.

 

Am Donnerstag wurde der Kaufvertrag mit der Eigentümerin geschlossen, noch am selben Tag zogen die ersten Flüchtlinge in die beiden Tennishallen ein. „Wir haben am Donnerstag um 15 Uhr davon erfahren und natürlich zugesagt“, so Michael Sander, Geschäftsführer vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). 400 Feldbetten konnte der ASB, der mit rund 40 zum großen Teil ehrenamtlichen Mitarbeitern vor Ort ist, organisieren. Für weitere Neuankömmlinge stehen zunächst Luftmatratzen bereit. Um ein Mindestmaß an Privatsphäre zu ermöglichen, sollen die Hallen parzelliert werden. Eine Herausforderung für die Feuerwehr, die für den Brandschutz vor Ort ist. Bei Regen könnte aber zunächst Wasser ein Problem werden: Ein Hallendach ist beschädigt. Erst einmal zählt aber das Dach über dem Kopf. Die Unterkunft liegt in der Fluglärmschutzzone und im Gewerbegebiet – zwei Kriterien, die eine Wohnnutzung eigentlich ausschließen, auf Grundlage des Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (SOG) aber ermöglicht werden, wie die Innenbehörde mitteilte.

Wo komme ich hin?

Die Menschen, unter ihnen vorwiegend Syrier, Afghanen und Iraker, werden nach der offiziellen Registrierung durch die Innenbehörde auf weitere Unterkünfte oder in andere Bundesländer verteilt. „Das ist eine hohe Belastung für die Menschen. Sie fragen sich: Wo komme ich hin?“ so Michael Sander. Trotz der vorhandenen Mängel – auch eine Heizung gab es bis Sonnabend in den Hallen noch nicht – findet Sander den Standort gut: „Auf den Tennisplätzen draußen ist Platz zum Auspowern. Hier kann auch ein Spielplatz entstehen und es ist Platz für Container für integrative Angebote“.

 

Auch einen unerwarteten Vorteil hat das ehemalige Tennis Center: „Viele der Flüchtlinge teilen sich ein paar Schuhe oder tragen Flip Flops. Wir haben hier Tennisschuhe gefunden, die wir austeilen konnten.“ Die Tennisbälle sorgen bei den Kindern und jungen Männern für etwas Ablenkung.

Integration schaffen

Trotz und gerade wegen der hohen Fluktuation in der neuen Unterkunft ist Sander und seinem Team eines besonders wichtig: „Über das humanitäre Notprogramm hinaus wollen wir auch Integration schaffen.“ Für integrative Angebote stehen auch die rund 170 Unterstützer von „Wir für Niendorf“ bereit. Aus der Niendorfer Kleiderkammer haben die Ehrenamtlichen bereits Kisten mit Hygieneartikeln und Babynahrung gebracht. „Wir stehen bereit und unterstützen, was geht“, so Pastorin Maren Gottsmann. Mit Spielen und Handarbeiten für Kinder und Erwachsene möchte sie kurzfristig „Farbe und Bewegung“ in die Unterkunft bringen, außerdem stehen die erfahrenen Ehrenamtlichen für den Deutschunterricht zur Verfügung. Rund 200 weitere ehrenamtliche Helfer hatten sich außerdem nach der Informationsveranstaltung in der Verheißungskirche zur Unterkunft Paul-Sorge-Straße, die ebenfalls dieser Tage bezogen wird, gemeldet.

Keine Privatsphäre, aber ein Dach über dem Kopf bieten die Niendorfer Tennishallen Foto: mf

Weitere Hilfsangebote kamen spontan aus der Nachbarschaft: „Als wir ankamen fanden wir schon eine Nachricht des Metro-Geschäftsführers mit dem Angebot, uns zu unterstützen vor“, freut sich Michael Sander, der die Stimmung in der Unterkunft als gut empfindet: „Es ist eine schwierige Aufgabe, aber wir sind zuversichtlich!“ Das ist auch Pastorin Gottsmann: „Die Flüchtlinge haben die Krise, nicht wir“, sagt sie und betont unter Bezug auf Innenminister Thomas de Maziere: „Es gibt ein Grund- und Menschenrecht auf Hilfe – unabhängig von Dankbarkeit!“ mf

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