Die Freude ist groß Nach langem Hin und Her gab es den Kinderreisepass auch kurzfristig Foto: cs

In der Warteschleife

Online-Terminvergabe der Bezirksämter feiert zweiten Geburtstag

Archiv| Views: 155

Vor zwei Jahren, am 1. Oktober 2013, haben die Kundenzentren der Hamburger Bezirksämter die Online-Terminvergabe eingeführt. Eine gute Entscheidung, meint Antje Haller, Sprecherin des Bezirksamts Eimsbüttel.

 

Beschwerden gebe es in Eimsbüttel kaum noch, erklärt sie gegenüber dem Niendorfer Wochenblatt. Das Gegenteil sei nun der Fall: Die Mitarbeiter würden mehr gelobt. Und sie seien entspannter, weil auf ihnen weniger Druck laste. Kein Wunder: Wer vor seinem Besuch in einem der 20 Kundenzentren der Stadt auf www.hamburg.de/Kundenzentren einen Termin vereinbart, wartet in der Regel nicht länger als vier Minuten, bis er von einem Sachbearbeiter aufgerufen wird.

Soweit, so gut. Problematisch wird es, wenn die Kundenzentren kurzfristig angesteuert werden müssen. Etwa, weil der Reisepass des Sohnes unbemerkt abgelaufen ist. Wie im Fall von Bettina Altstadt. Da die Schnelsenerin als Ärztin mit einer 50- Stunden-Woche und alleinerziehende Mutter von drei Kindern nur wenig freie Zeit für Erledigungen dieser Art hat, steuerte sie das Ortsamt Lokstedt an einem späten Donnerstagnachmittag an – und wurde abgewiesen. Man arbeite nur noch mit Termin, hätten die Mitarbeiter am Empfang ihr gesagt, berichtet Altstadt – und den nächsten freien Termin gebe es drei Wochen später, vormittags im Kundenzentrum auf St. Pauli. „Wie soll ich das bitte machen? Ich nehme mir einen Urlaubstag und mein Kind für einen Vormittag aus der Schule?“, moniert Altstadt.

„Natürlich nicht“, beschwichtigt Haller, auch wenn es wünschenswert wäre, dass alle Kunden einen Termin vereinbaren, würden selbstverständlich auch Kunden ohne einen solchen bedient. Allerdings müssten in diesem Fall teils erheblich lange Wartezeiten in Kauf genommen werden.

Redakteurin Christina Sluga wagt den Selbstversuch: Auch wir benötigen einen Kinderreisepass und das am besten sofort. Der Blick ins Internet: Ernüchterung. Den nächsten Termin gibt es erst in vier Wochen. Also auf zum Bezirksamt Eimsbüttel. Es ist 14 Uhr an einem Donnerstagnachmittag. Der Wartebereich ist voll, der Wartenummer-Automat wegen Überfüllung geschlossen.

Hier haben wir kein Glück, also fahren wir mit wenig Hoffnung zum Ortsamt Lokstedt. Auch dort macht uns die Dame am Empfang keinen Mut. „Wenn ein anderer Kunde zu seinem Termin nicht erscheint, kann es klappen. Es kann aber auch sein, dass wir Sie nach stundenlangem Warten heute Abend unverrichteter Dinge nach Hause schicken müssen.“ Wir entscheiden uns dennoch fürs Warten – und haben Glück. Kaum, dass wir es uns im Wartebereich gemütlich gemacht haben, werden wir aufgerufen. Ruckzuck wird uns der Kinderreisepass ausgestellt – allerdings nicht ohne uns draufhinzuweisen, dass es purer Zufall sei, dass wir so schnell an die Reihe gekommen sind.

Eines nehmen wir uns daher ganz fest vor: Wenn wir das nächste Mal das Kundenzentrum aufsuchen müssen, vereinbaren wir vorher einen Termin! cs

Comments are closed.