Marco Kammer (Mitte) präsentiert mit seinen treuesten Pächtern die neuen seniorengerechten Hochbeete Foto: tif

Hier gärtnern auch die Lütten mit

Kleingartenverein Döhrnkamp in Lokstedt feiert am Sonnabend sein 100jähriges Bestehen

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Vor 100 Jahren machte der Erste Weltkrieg die Ernährungslage in Deutschland allmählich immer schwieriger. In den Städten suchten die Bürger Möglichkeiten, sich selbst zu versorgen.  Die noch recht junge Erfindung der Schrebergärten zeigte sich als ideale Lösung.

 

Lokstedt war damals ein gutsituierter Vorort Hamburgs, trotzdem gründete sich hier eine der ersten Schrebergartenkolonien der Region: der Kleingartenverein Döhrnkamp. Am Wochenende feiert der Verein seinen 100. Geburtstag und alle sind eingeladen.

Der Charakter des Vereins hat sich in seiner langen Geschichte völlig verändert. Aus der Selbstversorgerkolonie ist eine Grünanlage für Familien geworden, die sich der Nachbarschaft öffnet und ihre soziale Bedeutung unterstreicht. Die Vereinswege sind öffentlich zugänglich und werden zum Spazieren und als Durchgang genutzt. Die Grundschule Döhrnstraße betreibt hier ihren Schulgarten, in dem die Kleinen an ökologisches Gärtnern herangeführt werden. Fernsehgärtner John Langley unterstützt sie dabei ebenso wie die Bieneninitiative „Hamburg summt“. Für das Kinderhaus Lokstedt ist eine Parzelle vorgesehen. Noch nicht ganz fertiggestellt sind neun festangelegte Hochbeete, in denen Senioren oder Menschen mit einem Handicap demnächst „Urban Gardening“ betreiben können. „Wir haben fünf Altenheime in der Nachbarschaft. Das ist eine weitere tolle Chance zur Integration in den Stadtteil für uns“, betont der Vereinsvorsitzende Marco Kammer.

Kindheit im Garten

Wolfgang Seipelt (68) ist hier aufgewachsen. 1949 haben seine Eltern hier ein Behelfsheim errichtet, in dem er seine Kindheit verbrachte. 1981 übernahm er selbst die Parzelle, musste das Haus abreißen und baute in Heimarbeit seine heutige Laube. Die ältesten Pächter sind Hannelore (79) und Werner (81) Haack, die mit großer Freude ihr Paradies genießen. Im Herbst 1972 haben sie ihre Parzelle übernommen und innerhalb eines halben Jahres ihre Laube auf zu beseitigenden Trümmern und Schutt errichtet. „20 Kubikmeter Erde habe ich dafür mit der Schubkarre rangeholt“, berichtet Haack.

Sie alle feiern am kommenden Sonnabend mit, wenn es bei hoffentlich schönem Wetter leckeres Essen und Trinken für alle, Spiele für Kinder und Informationen für künftige Kleingärtner gibt. tif

 

Feier zum 100. Geburtstag des Kleingartenvereins Döhrnkamp, Sa., 12.9., 12-18 Uhr, Döhrntwiete, Hockeyplatz, www.314.gartenfreunde-hh.de

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