Matschwiese Nach einem stärkeren Regenguss erinnert die Fläche am Hagendeel an eine Seenlandschaft Foto: privat

Baustopp am Hagendeel

Erweiterung der geplanten Flüchtlingsunterkunft vorläufig untersagt

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Müssen Bezirk und Senat jetzt die nächste Schlappe in Sachen Flüchtlingsunterbringung einstecken? Nach dem Baustopp für das Flüchtlingsheim an den Sophienterrassen in Harvestehude hat das Hamburg Verwaltungsgericht jetzt auch die Planungen für den Lokstedter Hagendeel durchkreuzt.

 

Die Richter verhängten einen sogenannten Hängebeschluss, welcher besagt, das mit den Arbeiten für die Erweiterung der geplanten Flüchtlingsunterkunft um 250 weitere Schlafplätze solange nicht begonnen werden darf, bis das Gericht in den kommenden Wochen zu einem endgültigen Urteil kommt. Die bereits genehmigte Unterkunft für 288 Personen bleibt von dieser Entscheidung unberührt.

Hintergrund: Das betroffene Grundstück am Hagendeel 60 liegt mitten im Überschwemmungsgebiet, das 26.000 Quadratmeter große Areal dient nach Regentagen als sogenannte Retentionsfläche. Für den Bau der Flüchtlingsunterbringung sowie deren Erweiterung will die Stadt ein Großteil der Fläche aufschütten, versiegeln. Um die beiden Baufelder herum soll die Erde abgegraben werden, um die verloren gehende Retentionsfläche zu kompensieren.

Eine Maßnahme, die bei weitem nicht ausreiche, um ihre umliegenden Grundstücke vor Überflutungen zu schützen, monieren Anwohner schon seit Monaten – und reichten Klage ein.

„Das Ergebnis ist ein voller Erfolg für die Anwohner – über den man sich sicherlich mehr freuen könnte, wenn der Anlass nicht derartig traurig wäre“, heißt es in einer Stellungnahme der Bürgerinitiative zur Erhaltung der Aue Hagendeel.  Es sei grotesk, zunächst ein Überschwemmungsgebiet vorläufig auszuweisen, im nächsten Moment eine Aufschüttung im Umfang von 1,6 Hektar zu genehmigen und leichtfertig davon abzusehen, einmal einen Gedanken an die ohnehin schon prekären Grundwasserverhältnisse zu verschwenden.

„Das Gericht hat mit dem Hängebeschluss allen Beteiligten Zeit für eine Stellungnahme gegeben. Es hat keine konkrete Frist gesetzt, aber eine zeitnahe abschließende Entscheidung angekündigt“, berichtet Andreas Lambiris, Präsidialrichter des Hamburgischen Oberverwaltungsgerichts, auf Anfrage des Niendorfer Wochenblatts. Der Ausgang des Verfahrens sei nach wie vor völlig offen, der Hängebeschluss lasse keinen Rückschluss auf die Erfolgsaussichten des Verfahrens zu.

Das Bezirksamt Eimsbüttel habe den vorläufigen Beschluss des Verwaltungsgerichts Hamburg zur Kenntnis genommen, teilte dessen Sprecher Dr. Elmar Schleif ebenfalls auf Anfrage mit. Ob bereits gegen diesen vorläufigen Beschluss Beschwerde eingelegt wird, werde zurzeit noch geprüft. cs

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