Großer Andrang vor der Schnelsener Bait-ur-Rasheed Moschee, wo die Info-Veranstaltung stattfand Foto: cs

„Wir Schnelsener wuppen das schon!“

Kontroverse Diskussionen zur Flüchtlingsunterbringung

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Der Andrang war groß, das Bedürfnis nach Informationen auch: Zahlreiche Anwohner, Vertreter aus Politik, Wirtschaft, von Verbänden, Vereinen und ehrenamtlichen Initiativen waren am vergangenen Mittwoch in die Schnelsener Bait-ur-Rasheed Moschee geströmt, um sich über die geplante Flüchtlingsunterkunft am Flagentwiet ins Bild setzen zu lassen.

 

Einmal mehr wurde kontrovers  und zum Teil emotional diskutiert. „Wir nehmen Ihre Sorgen ernst. Es gibt nichts, was hier nicht gesagt oder gefragt werden dürfte“, betonte Eimsbüttels Bezirksamtsleiter Dr. Torsten Sevecke, der gemeinsam mit Johanna Westphalen von der Zentralen Ausländerbehörde und Barbara Strauß, die im Bezirk das Ehrenamtliche Engagement koordiniert, auf dem Podium Platz genommen hatte.

Zugespitzte Lage

Sevecke selbst nutzte die Chance, in der Vergangenheit getätigte Aussagen der aktuellen Situation anzupassen. Auch die Unterbringung in Zelten und Schulturnhallen sei nun nicht mehr auszuschließen, da sich die Lage dermaßen zugespitzt habe und „wir mit allen Möglichkeiten, die der Staat hat, die Menschen, die bei uns Schutz suchen, vor der Obdachlosigkeit bewahren.“

Zentrale Erstaufnahme

Die Unterbringung am Flagentwiet solle aber, so Westphalen, aus festen, voraussichtlich zweigeschossigen  Con-
tainern bestehen. Untergebracht würden dort Familien und Alleinstehende aus den unterschiedlichsten Nationen. Da es sich um eine Zentrale Erstaufnahme (ZEA) handelt, werden die Bewohner dort auch mit Essen versorgt. Auch die Beschulung der Kinder erfolgt vor Ort und Ärzte bieten in der Unterkunft eine Sprechstunde an.

DRK als Betreiber

Anders als zunächst bekannt gegeben, übernimmt  das Deutsche Rote Kreuz den Betrieb der Anlage. Beim städtischen Unternehmen „fördern und wohnen“, das für den Großteil der Hamburger Flüchtlingsunterkünfte verantwortlich zeichnet, seien die Kapazitäten erschöpft, betonte Westphalen.

Volles Haus Zahlreiche Schnelsener und Bürger aus der Umgebung informierten sich über die Flüchtlingsunterkunft Foto: cs

Bis zu 300 Flüchtlinge kämen täglich in Hamburg an, ihre Mitarbeiter  kämen mit der Bearbeitung der vielen Asylanträge nicht mehr hinterher. Westphalen: „Die Ereignisse überschlagen sich dramatisch“. So sahen es auch viele Besucher der Info-Veranstaltung, Anwohner, die sich um die Sicherheit ihrer Kinder oder Ruhestörungen sorgen, Bürger von außerhalb, die von angeblicher Gewalt unter Bewohnern, der Bedrohung christlicher Minderheiten und dem Ausbruch der Krätze im Jenfelder Moorpark berichteten. Bei Problemen jeglicher Art sollten Betroffene sofort den Betreiber der Anlage oder die Polizei kontaktieren, empfahl Westphalen. Dass es bei so vielen Menschen zu Problemen kommen könne, sei völlig normal, betonte sie, von einer erhöhten Gefahr sei jedoch nicht auszugehen. Im Gegenteil: Viele Ehrenamtliche ermutigten die Anwesenden, sich ebenfalls zu engagieren und die neuen Nachbarn kennenzulernen. „Die haben eher Angst vor uns, und freuen sich sehr, wenn wir auf sie zugehen“, berichtete eine Dame. Und am Ende der Veranstaltung war sich ein Großteil der Besucher ohnehin einig: „Wir Schnelsener können das wuppen – gemeinsam!“  cs

 

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