Unterstützung Meike Becker (li.) und Elke Bremer von ProNieNo stehen der Familie Merizadi mit Rat und Tat zur Seite Foto: cs

Kein Platz für große Familien?

Große Wohnungen für kinderreiche Familien sind zunehmend Mangelware

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Ahmed Merizadi (Name von der Redaktion geändert) ist verzweifelt. Seit Monaten hat er nachts kein Auge mehr zu getan. Doch das ist ihm egal. „Mir geht es einzig und allein um meine Kinder. Dass die endlich ein normales Leben führen können.“

 

An Normalität ist im Hause Merizadi jedoch nicht zu denken. Gemeinsam mit ihren vier Kindern im Alter von vier Monaten bis fünf Jahren bewohnen die beiden Eltern eine 53 Quadratmeter kleine Zwei-Zimmer-Wohnung an der Paul-Sorge-Straße in Niendorf. Die sechs Familienmitglieder teilen sich ein Schlafzimmer, der andere Raum ist Kinderzimmer und Wohnzimmer in einem. Privatsphäre? Fehlanzeige. Putzen? Ein Ding der Unmöglichkeit. Freunde nach Hause einladen? Auf keinen Fall.

Die Merizadis würden lieber heute als morgen umziehen, besitzen sogar einen sogenannten Dringlichkeitsschein, der ihnen die Unterstützung der Behörde bei der Wohnungssuche zusichert. Gerade einmal sechs Wohnungen wurden den Merizadis in den vergangenen drei Jahren vom Amt vorgeschlagen, bekommen haben sie keine.

Ein Problem, das Meike Becker vom Kooperations-Projekt Ressourcenaktivierung Niendorf-Nord (ProNieNo) bestens bekannt ist. „Viele unserer Familien mit mehr als zwei Kindern stehen vor ähnlichen Problemen wie die Merizadis“, berichtet die Sozial-Pädagogin aus ihrer Arbeit im Bereich der Jugendhilfe und Familienförderung.

Zu wenig sozial

Bezahlbarer Wohnraum sei knapp in Niendorf, größere Wohnungen mit mehr als drei Zimmern gebe kaum es noch. „Allenfalls in der Luxus-Variante, nicht im sozialen Wohnungsbau“, vermutet Becker. Das stimme so nicht ganz, betont Antje Haller, Sprecherin des Bezirksamts Eimsbüttel. Zwar seien die Zwei- und Drei-Zimmer-Sozialwohnungen mit einer Anzahl von 2.172 bzw. 2.552 am stärksten im Bezirk Eimsbüttel vertreten, es gebe aber immerhin noch 855 Vier-Zimmer- und 286 Fünf-Zimmer-Wohnungen. Das Problem: „Wohnungsangebote können erst unterbreitet werden, wenn ein Vermieter eine geeignete Wohnung als frei meldet“, erläutert Haller. Und: „Der Vermieter trifft letztendlich auch die Entscheidung, an wen er vermietet. Denn in der Regel wird das Angebot an mehrere Haushalte übersandt.“

In Merizadis Fall waren es zuletzt 13 andere Wohnungssuchende, mit denen er um den Zuschlag für eine Drei-Zimmer-Wohnung konkurrieren musste. Ohne Erfolg. „Die Erfahrung zeigt, dass selbstständig aktive Haushalte eher eine Wohnung bekommen, als die, die nur die Wohnungsangebote abwarten“, sagt Haller. Auch das habe er selbstverständlich schon versucht, berichtet Merizadi. In der Regel sei er schon am Telefon abgewimmelt worden, „vier Kinder sind offenbar ein Hinderungsgrund.“

Und so werden die Merizadis weiterhin auf engstem Raum zusammenleben müssen. Merizadi: „Wenn sich nicht bald etwas ändert, werde ich meine Kinder außer Landes bringen müssen. Ich will es nicht, aber uns wird nichts anderes übrig bleiben.“ cs

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