Lernen viel voneinander (v.li.n.re.): Sedrat (11), Kinana (30, mit Hassan), Christine Stülten, Ayla (13) und Abdulrahman Al Habbal (41) Foto: mf

Unsere Schwester, Frau Christine

Niendorferin unterstützt ehrenamtlich Familie aus Syrien und fand selbst ganz viel Herzlichkeit

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Aus der Hausaufgabenhilfe für zwei syrische Mädchen wurde eine enge Freundschaft: Seit einem Jahr unterstützt Christine Stülten die Familie Al Habbal.

 

Die Flüchtlinge und die Niendorferin lernen viel voneinander. „Ich kannte Syrien vorher nicht und bin sehr begeistert von der Kultur. Die Wärme und der Zusammenhalt der Menschen berühren mich“, erzählt Christine Stülten (50) bei selbst gebackenem Baklava im Wohnzimmer der Familie Al Habbal. Als die Lehrerin vor zwei Jahren von Kiel nach Niendorf zog, suchte sie nach einem Ehrenamt. „Ich bin auf die Facebook-Gruppe Herzliches Hamburg gestoßen. Dort wurde für eine syrische Familie eine Hausaufgabenhilfe gesucht.“ In knapp einem Jahr ist aus der schulischen Unterstützung für Sedrat (11) und Ayla (13), die die Stadtteilschule am Hafen besuchen, eine enge Freundschaft geworden. „Ich bin zweimal die Woche hier, es gibt immer viel zu besprechen. Wir unternehmen vieles gemeinsam, mit den Kleinen gehe ich zum Bilderbuchkino“, erzählt Stülten. „Bei Problemen rufe ich Schwester Christine“, freut sich Abduhlrahman Al Habbal. Der 41jährige Ingenieur musste Syrien vor zwei Jahren mit seiner Familie verlassen. Da Sohn Hassan gerade geboren war, hatte die Familie Glück und bekam schnell eine eigene Wohnung in Lokstedt. „Deutschland hat willkommen gesagt. Viele Menschen hier helfen uns“, sagt der Ingenieur, der im Bereich erneuerbare Energien oder Flugzeugbau arbeiten möchte und einen Praktikumsplatz sucht.

Die Rolle als Hausmann ist nichts für Abdulrahman und stößt eine humorvoll-selbstironische Debatte mit Christine Stülten über die Männerbilder in Syrien und Deutschland an. Er möchte arbeiten, setzt sich außerdem für seine Nachbarn in der Wohnunterkunft ein und fährt als ehrenamtlicher Betreuer ins Kinder-Feriencamp nach Bergedorf. Seine Frau und seine Töchter haben derweil viele Unternehmungen mit Christine Stülten auf dem Ferienprogramm: „Wir gehen schwimmen, spazieren, zum Dom und wir besuchen Frau Christine“, erzählt Ayla.

Die Familien der Al Habbals leben nach der Flucht verstreut in der Türkei, in Libyen, Jordanien und Schweden, ihren gesamten Besitz in Syrien haben sie verloren. Kontakt halten sie über WhatsApp. „Hier ist unsere Zukunft, uns geht es hier gut“, sagt Abdulrahman. „Schwester Christine ist jetzt unsere Familie.“ mf

 

Sich engagieren?

 

Infos gibt es  bei den Initiativen Herzliches Lokstedt, Anne Thaker, orga@herzlicheslokstedt.hamburg und Wir für Niendorf, Pastorin Maren Gottsmann und Nina Schrader unter fluechtslingsarbeit@kirche-in-niendorf.de und auf www.kirche-in-niendorf.de

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