Erinnerung an ein verlorenes Paradies

Ort des Gedenkens für die ehemalige Berenberg-Gossler-Villa im Gehege

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Wo heute hinter der Kirche am Niendorfer Markt die Vierbeiner toben, befand sich einst der prächtige Landschaftspark mit der Villa der Familie von Berenberg-Gossler. Jetzt erinnert ein neuer Gedenkort an den einstigen Sommersitz und seine dramatische Geschichte.

 

Der Hamburger Bankier Johann Heinrich Gossler erwarb 1847 das 20 Hektar große Grundstück hinter der Kirche am Markt. Im Jahr 1881/82 ließ sein Sohn John Gossler im Nordteil des Parks ein prächtiges Landhaus errichten. Hier verbrachte die Familie die Sommerfrische. „Es war ein Paradies“, erinnert sich Dieter von Specht (90). „Das Haus hatte rund 40 Zimmer. Als Junge habe ich gern über die Sprechleitung, die den ersten und zweiten Stock mit der Küche verband, gesprochen“, erzählt er. Sein Großvater Cornelius erbte das Anwesen 1913 nach dem Tode Johns, inzwischen Freiherr von Berenberg-Gossler.

Cornelius, der Hitler unter anderem bei Hagenbeck erlebt hatte, bezeichnete das NS-Regime 1938 in seinem Tagebuch als „eine Regierung von Räubern und Mördern“. Er unterstützte bedrohte Geschäftspartner und Bekannte, konnte einigen zur Flucht verhelfen.


Abriss im Herbst 1938

1938 beanspruchte eine Nazi-Delegation das Herrenhaus als NS-Schulungsheim. „Mein Großvater hat nichts gesagt“, so von Specht. „Er besorgte eine Baufälligkeitsbescheinigung und ließ das Haus innerhalb von 12 Tagen im Herbst 1938 abreißen.“

Am ehemaligen Standort laden nun Bänke aus Eichenstämmen und eine Info-Tafel mit einem Aquarell der Villa und zweisprachigem Text zum Erinnern und Verweilen ein. Durch das Amphibien-Projekt im Niendorfer Gehege konnte der angefallene Bodenaushub für die Errichtung der Aussichtsplattform genutzt werden.

Eine zweckgebundene Spende der Nachkommen von Cornelius von Berenberg-Gossler ermöglichte es Herwyn Ehlers vom Verein Pro Niendorfer Gehege und Beisitzer im Forum Kollau, die Plattform zu befestigen, zu bepflanzen und mit Bänken und Info-Tafel zu versehen. Den Info-Text redigierte Joerg Kilian, zweiter Vorsitzender des Forum Kollau, in Abstimmung mit den Nachkommen von Berenberg-Gosslers. Diese freuen sich, dass ihrem Großvater als „politisch weitblickender Mensch“ gedacht wird. Revierförster Sven Wurster ist auch beeindruckt vom ehrenamtlichen Engagement Herwyn Ehlers und Joerg Kilians: „Es ist toll, dass sich junge Niendorfer so für ihren Stadtteil einsetzen.“   mf

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