Gartenverein bedroht

An der Julius-Vosseler-Straße sollen bis zu 200 neue Wohnungen entstehen

Archiv| Views: 122


Der Vorsitzende Adalbert Pietrzak sorgt sich um seinen Gartenverein Mühlenkoppel an der Julius-Vosseler-Straße. Denn der ist als Potenzialfläche für den Wohnungsbau ausgewiesen und jetzt soll der Bebauungsplan Lokstedt 51 tatsächlich so konkretisiert werden, dass hier 100 bis 200 neue Wohnungen entstehen können.

Pläne dazu hat die Immobilienfirma Quantum in der Tasche, die je ein Drittel Sozialwohnungen, genossenschaftliche Mietwohnungen und Eigentumswohnungen bauen will. Die öffentlich Plandiskussion wird nach der Sommerpause im Stadtplanungsausschuss beginnen. Erfahrungsgemäß dauert das Verfahren etwa drei Jahre. Rüdiger Rust, Fraktionsvorsitzender der SPD Eimsbüttel, meint, dass alle Fraktionen den Plan mittragen werden: „Wir werden diesen Weg gehen, die Stadt entwickelt sich.“

29 Parzellen des Vereins Mühlenkoppel und 5 des Nachbarvereins Scheinwerfer müssen dann geräumt werden. Die 20 000 Qaudratmeter zwischen zwei U-Bahn-Stationen sind für den Wohnungsbau ein Sahnestück. Flächen sind knapp und der Bezirk Eimsbüttel hat Druck: 700 neue Wohnungen sollen jährlich genehmigt werden.

Ausgleich wo?

Wenn dafür Kleingartenanlagen aufgelöst werden, muss die Stadt den Pächtern Ausgleichsflächen zur Verfügung stellen. Für die Mühlenkoppel sind dazu ein noch bebautes Gelände an der Hagenbeckstraße und das der Flüchtlingsunterkunft an der      Niendorfer Straße vorgesehen, die laut Bezirksamtsleiter Dr. Torsten Sevecke auch pünktlich zur Kündigung der Altparzellen zur Verfügung stehen würden, „Wir drängen die Kleingärtner nicht an den Stadtrand. Die Ausgleichsflächen sind weniger als fünf Kilometer entfernt“, betont er.

„Bei einem Umzug auf die schwarze Scholle brauchen Sie zehn Jahre, bis daraus ein schöner Garten wird“, so Dirk Sielmann, Geschäftsführer des Landesbundes der Gartenfreunde. Er plädiert dafür, die Parzellen ins  Kleingartengelände in direkter Nachbarschft (bsp. an der Hagenbeckstraße ) umzusiedeln. 50 bis 70 Gärten könnten in unmittelbarer Umgebung nachverdichtet werden. Ältere Kleingärtner würden wohl eher ganz aufgeben, als noch mal neu anzufangen. Für die anderen würde der Landesbund aus dem „Laubenfonds für Räumungsbetroffene“ für weniger als 50 Euro Miete im Monat eine neue Laube zur Verfügung stellen. „Die Investoren bieten an, den bisherigen Pächtern maßgeschneiderte Lauben auf den neuen Parzellen zu bauen“, bemerkt Sevecke dazu. „Das sind alles zweitbeste Lösungen“, findet Sielmann vom Landesbund. Der Verein Mühlenkoppel will hingegen für seinen Erhalt streiten: „Wir werden uns nicht kampflos ergeben“, sagt Pietrzak. tif

Tschüs, Gärten

 

Der Verein Mühlenkoppel ist nicht der erste, der in unmittelbarere Umgebung der Julius-Vosseler-Straße Parzellen lassen muss. Teile der Lenzsiedlung sind in den 70er Jahren ebenso auf Kleingartengelände errichtet worden wie der NDR und die so genannten Greve-Bauten am Hugh-Greene-Weg.

Comments are closed.