Hat Islamwissenschaften studiert Sevgi Ünver (33). Foto: Arne List

Der Seele näher kommen

Der Fastenmonat Ramadan hat begonnen

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Am 18. Juni hat der Fastenmonat Ramadan begonnen. Gläubige Muslime in Hamburg verzichten tagsüber auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex. Wochenblatt Redakteurin Miriam Flüß sprach mit Sevgi Ünver (33) von der Islamischen Gemeinde Schnelsen / Eidelstedt was der Ramadan für sie persönlich und die Muslime in den Flüchtlingsunterkünften von Lokstedt, Niendorf und Schnelsen bedeutet.

 

Niendorfer Wochenblatt: Ist der Verzicht im Alltag schwierig?

Sevgi Ünver: In den Breitengraden von Hamburg kann das Fasten von Sonnenauf- bis –untergang 19 Stunden dauern. Für Raucher oder Kaffeegenießer ist das nicht einfach. Kranke und Schwangere sind vom Fasten befreit.

 

NW: Welche Bedeutung hat der Ramadan für Sie?

SÜ: Es geht nicht nach meinem Ego. Der Ramadan ist ein Monat der Spiritualität. Jeder hat seine persönliche Beziehung zu Gott. Es geht darum, der Seele näher zu kommen und sich der Religion zu widmen. Man wird in dieser Zeit sensibler, fragt sich: Was habe ich Gutes getan?

 

NW: Wird das auch gemeinsam praktiziert?

SÜ: Ja, Muslime setzen sich in dieser Zeit intensiv mit dem Koran auseinander. In allen Moscheen wird der Koran gelesen und darüber diskutiert, was gemeint ist. Es ist eine Austauschkultur.

 

NW: Was wünschen Sie sich in dieser Zeit von Nichtmuslimen?

SÜ: Ich wünsche mir Aufmerksamkeit. Und die Sensibilität, in der Mittagspause nicht zum Essengehen aufzufordern oder vor den Augen der Fastenden zu essen und zu trinken. Oder einfach einen „gesegneten Ramadan“ wünschen. Kleine Worte fruchten in der Nachbarschaft!

 

NW: Gibt es Unterstützung in den Flüchtlingsunterkünften?

SÜ: Gerade in diesem besonderen Monat haben wir eine Beziehung zu allen Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Wie kann ich beim Fastenbrechen Baklava essen, wenn andere es nicht können? Deshalb organisiere ich das als Spende. Wie im Christentum und im Judentum auch wird zuerst an das Gegenüber gedacht. In Niendorf haben wir auch eine tolle Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden, die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, sodass das Fastenbrechen einmal wöchentlich nach landestypischen Gewohnheiten zubereitet werden kann.

 

NW: Vielen Dank für das Gespräch und einen gesegneten Ramadan.

 

Spenden Die ehrenamtlichen Unterstützer der ZEA Niendorfer Straße sammeln Spenden, um den muslimischen Flüchtlingen Datteln für das Fastenbrechen bereitzustellen: Konto der Kirchengemeinde Niendorf, IBAN DE 41 2005 0550 1112 211964, BIC HASP DE HH XXX, Stichwort: Dattelpatenschaft oder in die Spendenbox bei Obsthändler Celiker, Rudolf-Klug-Weg 9.

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