Wo noch immer Giftstoffe unter der Erde schlummern

Belastete Flächen in Niendorf, Lokstedt und Schnelsen

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Ein wenig beunruhigend ist es schon: Nicht nur zwei Weltkriege, sondern auch Jahrzehnte industrieller Entwicklung ohne ausreichende Umweltschutzmaßnahmen haben ihre Spuren in Hamburgs Böden hinterlassen. Seit 1979 werden sogenannte altlastverdächtige Flächen der Hansestadt systematisch erfasst, untersucht und, wenn nötig, saniert.

 

Allein im Bezirk Eimsbüttel hat die Stadtentwicklungsbehörde (BSU) 378 belastete oder altlastverdächtige Flächen aufgeführt. Das geht aus einer Anfrage    der SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Marc Schemmel, Gabor Gottlieb und Rüdiger Rust hervor. Während davon etwa allein 71 auf den Stadtteil Eidelstedt und 61 auf den Stadtteil Stellingen fallen, sind es insgesamt „nur“ 53 verschiedene Orten in Lokstedt, Schnelsen und Niendorf, wo die Giftstoffe unter versiegelten Oberflächen schlummern – Flächen, die asphaltiert oder bebaut sind. Typische Beispiele dafür sind stillgelegte Tankstellen, wie sie sich etwa an der Frohmestraße, der Holsteiner Chaussee, dem Eidelstedter Weg oder der Kollaustraße befinden, aber auch frühere Chemische Reinigungen, wie sie einst an der Stresemannallee, dem Rütersbarg oder der Paul-Sorge-Straße angesiedelt waren. Interessant: Im Erdreich besagter Stadtteile findet sich mehr als ein Dutzend ehemaliger Mülldeponien. Allein in Niendorf sind es nach Angaben der BSU acht. Die Deponien am Vogt-Cordes-Damm, der Papenreye oder dem Adlerhorst dürften dabei einem Großteil bekannt sein, dass tausende Kubikmeter Bauschutt und Hausmüll etwa auch am Ohmoor, am Burgunder- und Münchhausenweg gelagert wurden, wissen die wenigsten.  

Zum Glück: Der Großteil der belasteten Flächen wird als ungefährlich für Mensch und Umwelt eingestuft. Handlungsbedarf sieht die BSU erst bei Nutzungs- oder baulichen Änderungen.

Beispiel Süderfeldstraße

So wie etwa im Fall der ehemaligen Hausmülldeponie an der Süderfeldstraße in Lokstedt. Dort sollen in den nächsten vier Jahren 350 Wohnungen entstehen. In der Vergangenheit wurde auf dem Areal Sand abgebaut. Die Gruben wurden seit den 1930er Jahren mit Boden und Bauschutt, zwischen 1953 und 1955 mit Haus- und Sperrmüll geschlossen. Das Problem: Durch biochemische Abbauprozesse entstanden Methan und Kohlendioxid – Gase, die für Anwohner ungefährlich aus dem Boden in die Atmosphäre entwichen. Zudem ist das Grundwasser nahe der Oberfläche lokal von den Altlasten beeinflusst. Vor einer Wohnnutzung muss der Besitzer des Grundstücks nun eine aufwendige Gassanierung durchführen, die im Auftrag der BSU kontrolliert wird

 

Ein wahres Sammelsurium an Altlasten findet sich zudem auf dem 19.330 Quadratmeter großen Grundstück der ehemaligen Stadtreinigung Hamburg am Offakamp. In der ehemaligen Hausmülldeponie, die bereits 1926 geschlossen wurde, wurden Bauschutt, Öl und Teer, Schlacken und Aschen abgelagert. Außerdem wurden dort einst Farben und Lacke sowie Chemikalien und Pharmaka hergestellt. Nachdem eine geplante Flüchtlingsunterkunft aufgrund von Anwohnerprotesten aufgegeben wurde, soll auf dem Gelände des ehemaligen Recyclinghofes nun ein viergeschössiger Handwerkerhof für Bäcker, Kfz-Mechaniker, Metallbauer, Goldschmiede, Glaser und viele andere Betriebe entstehen. Die sogenannte Meistermeile gilt als Prestigeobjekt der rot-grünen Koalition.  Im Rahmen der Bauarbeiten soll ein Großteil der Auffüllung entnommen und entsorgt werden.


Die komplette Liste
mit allen belasteten Flächen im Bezirk Eimsbüttel finden Interessierte unter http://t1p.de/mzyp. cs

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