Bildung als Schlüssel

Als Fünfzehnjährige kam Anh Dao aus Vietnam nach Deutschland

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In den ersten drei Teilen unserer Serie über Menschen mit Migrationshintergrund haben bislang Politiker aus ihrem Leben berichtet. Heute wird die Reihe fortgesetzt mit Anh Dao, einer Mathematikerin aus Schnelsen.

 

 

Ihr Leben bietet Stoff für einen Roman: In drei Ländern auf drei Kontinenten hat Anh Dao bislang gelebt. Als die Vietnamesin 15 Jahre alt war, packte ihre Mutter die Koffer und stellte für sich und die beiden Kinder einen Asylantrag in Deutschland. Sie strebte mehr Freiheit, bessere Lebensbedingungen und eine höhere Bildungsqualität an. Deutschland war für sie kein völlig unbekanntes Terrain, da sie einige Jahre zuvor in der DDR studiert hatte. Außerdem lebte bereits ihre Schwester im hessischen Bad Karlshafen. Deren Ehemann war gut zehn Jahre zuvor als Bootsflüchtling nach Deutschland gekommen.

Für Anh Dao kam das neue Leben jedoch einem Kulturschock gleich. Während Mutter und  Bruder zunächst in einem Asylheim in Salzgitter untergebracht waren, lebte sie bei den Verwandten in Bad Karlshafen. In Wolfenbüttel wurde die Familie nach einem halben Jahr wiedervereint. Anh Dao kam in eine Gesamtschule in Braunschweig  – zwei Klassen zurückgestuft.

„Das war eine schwierige Zeit für mich. Ich war im rebellischen Teenager-Alter, meine Eltern hatten sich getrennt und ich war in einem völlig fremden Land, dessen Sprache ich nicht beherrschte. Das alles hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen“, erzählt die heute 38-jährige. Das Verhältnis zur Mutter sei zu dieser Zeit sehr angespannt gewesen. Zum Glück fühlte sie sich an der neuen Schule gut aufgenommen. Bereits ab Klasse 9 schaffte sie den Sprung auf’s Gymnasium. Dort traf sie auf eine aufgeschlossene und interessierte Lehrer- und Schülerschaft. „Alle haben mich sehr gut unterstützten. Das berührt mich bis heute!“


Die Aussöhnung

1996 bekam Anh Dao eine Aufenthaltsbefugnis. Zwei Jahre später bestand sie ihr Abitur und begann in Kaiserslautern ein Studium der Wirtschaftsmathematik. „Hauptsache weit weg von zu Hause“, lacht sie rückblickend. Doch dann geschah etwa Unerwartetes: Anh Dao fand zum christlichen Glauben und war zur Aussöhnung mit der Mutter bereit. Um in der Nähe ihrer Familie zu sein, setzte sie ihr Hauptstudium an der TU Braunschweig fort, wo sie ihren späteren Mann Simon kennenlernte.

Die anschließenden Stationen der seit 2005 diplomierten Mathematikerin können nur im Zeitraffer wiedergegeben werden: Es folgten ein zweijähriges Studium an der Elite-Uni Yale und ein Promotionsstudiengang an der Texas A&M University. Die Fernbeziehung zu Simon endete 2005, als das Paar heiratete und bis 2009 gemeinsam in den USA blieb. Wegen eines Jobs kehrte Simon nach Hamburg zurück, seine Frau und der 2010 geborene Sohn Johann folgten ein Jahr später. Inzwischen hat das in Schnelsen lebende Paar drei Kinder und ist beruflich und privat fest etabliert. Fleiß und Ambition nennt Anh Dao als Schlüssel zum Erfolg. Außerdem versuche sie, christliche Werte zu leben und sich in der Gemeinschaft nützlich zu machen. löv

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