Die Bauarbeiten am Mutzenbecherweg haben bereits begonnen. Die Mieter sollen unter anderem neue Balkone bekommen Foto: cs

Heizkosten runter, Mieten rauf

Immobilienkonzern modernisiert Wohnungen im Lokstedter Mutzenbecherweg

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Rund sechs Millionen Euro will die Deutsche Annington, einer der größten Immobilienkonzerne der Bundesrepublik, in diesem Jahr in die Modernisierung ihrer Hamburger Wohnungen investieren.

 

Im Lokstedter Mutzenbecherweg, Hausnummer 20 sowie 34 bis 44, haben die Arbeiten, die im November dieses Jahres abgeschlossen sein sollen, bereits begonnen: Dämmung der Außenwand, Dämmung der Kellerdecken, Dämmung des Dachbodens, Wärmeschutzverglasung im Treppenhaus, neue Balkone – das ganze Pipapo. Schließlich sollen dank der Maßnahmen auch circa 30 Prozent des Energieverbrauchs eingespart werden. „Die Heizkosten sinken, der Komfort für unsere Mieter steigt“, schwärmt Matthias Stock, der als Geschäftsführer bei der Deutschen Annington die Bestände in Hamburg verantwortet. 

Klingt erst einmal gut. Wäre da nur nicht die Mieterhöhung, die der Konzern seinen Mietern gleichzeitig mit den Bauarbeiten angekündigt hatte. Rund 140 Euro pro Monat – einige mehr, andere weniger – sollen die Bewohner künftig draufzahlen. So steht es zumindest in einem Schreiben, das dem Niendorfer Wochenblatt vorliegt.

Ein übliches Vorgehen von Vermietern wie der Deutschen Annington, weiß Dr. Rolf Bosse vom Mieterverein zu Hamburg. „Sie modernisieren Häuser, um den Wert der Immobilie zu steigern, die Mieten raufsetzen zu können und so die eigenen Einnahmen zu vermehren.“

Verboten ist das nicht. Im Gegenteil: Kosten für Modernisierungen können die Vermieter auf die Mieter umlegen. Laut Gesetz dürfen sie sogar elf Prozent der Baukosten auf die Jahresmiete aufschlagen.

Allerdings: „Viele angebliche Modernisierungsmaßnahmen sind eigentlich Instandsetzungsmaßnahmen. Die Kosten etwa für kaputte Dächer oder Risse in der Fassade muss der Vermieter selbst tragen und darf sie nicht auf den Mieter umlegen“, betont Bosse. Er vertritt Anwohner des Mutzenbecherwegs und will die Arbeiten vor Ort ganz genau im Auge behalten. Bosse: „Notfalls ziehen wir vor Gericht“ – wie bereits zahlreiche Mieter der Deutschen Annington vor ihnen.  cs

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