Erzieher machen Druck

Kita-Streik: Einrichtungen in Niendorf, Lokstedt und Schnelsen betroffen

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Sie haben Forderungen. Und diese verkünden sie lautstark. Am vergangenen Freitag sind Hamburgs Erzieher in den unbefristeten Streik getreten.

 

Der Grund: „Erzieher und soziale Berufe müssen grundsätzlich besser bezahlt werden“, so Hilke Stein, ver.di Verhandlungsführerin in Hamburg. „Die Arbeitgeber verschlafen den Zeitgeist indem sie meinen, dass man trotz gestiegener Anforderungen in den Kitas und Sozialeinrichtungen alles so lassen könnte wie es ist.“

 

Den ersten Streiktag nutzten die Pädagogen für eine Großkundgebung vor der Geschäftsstelle der Elbkinder, Hamburgs größtem kommunalen Kita-Träger. Unter den mehreren hundert Demonstranten dürften  auch zahlreiche Erzieher aus Niendorf, Lokstedt und Schnelsen gewesen sein. Dort befinden sich gut ein halbes Dutzend Kitas im unbefristeten Streik, darunter die Elbkinder-Kitas an der Lokstedter Vizelinstraße, am Schnelsener Jungborn sowie die Niendorfer Einrichtungen am Wagrierweg, am Bindfeldweg und am Werningeroder Weg. „In allen fünf Einrichtungen konnten wir mit etwa einem Drittel der Erzieherinnen eine Notbetreuung sichern“, berichtet Elbkinder-Sprecherin Kathrin Geyer. „In manchen unserer Kitas liegt die Quote berufstätiger Eltern bei 95 Prozent, so dass wir hier möglichst fair auswählen wollen, welche Kinder berufstätiger Eltern betreut werden können“, ergänzt Dr. Katja Nienaber, Kaufmännische Geschäftsführerin der Elbkinder.

 

Verständnis für Streik

 

Grund genug für viele Eltern, die Unterbringung ihrer Kinder selbst in die Hand zu nehmen. „Wir haben uns zusammen getan, und betreuen die Kinder im Wechsel zu Hause“, sagt Laura Janßen, selbstständige Steuerberaterin aus Niendorf. Sie trifft der Streik gleich doppelt. Nicht nur die Kita ihres jüngeren Sohnes, die Moor-Rüben am Ohmoorring, wird bestreikt, sondern auch die Nachmittagsbetreuung an der Grundschule Sachsenweg, wo ihr älterer Sohn untergebracht ist. „Der Arbeitsalltag als Selbstständige ist mit zwei Kindern schon eine große Herausforderdung, so ein Streik macht die Sache nicht einfacher“, sagt Janßen. Dennoch habe sie grundsätzlich Verständnis für das Anliegen der Erzieher – so wie viele andere Eltern auch.

 

„Der Kita-Bereich gilt heute als erste Bildungseinrichtung, mindestens so wichtig wie die Grundschule. Deswegen sollten Erzieher auch dementsprechend bezahlt werden“, fordert Mark Engel. Seine Kinder besuchen die ASB-Kita Burgwedel, die sich ebenfalls im Streik befindet. „Wenn man von dem Gehalt eines Erziehers eine Familie ernähren könnte, würden auch mehr Männer diesen Beruf ergreifen“, ergänzt Nina Gleitze, die ebenfalls zwei Kinder in der Kita hat.

 

 

Ähnlich sieht es Christian Martens, Vorsitzender des Bezirkselternausschusses (BEA) Eimsbüttel: „Die Erzieher leisten wichtige und gute Arbeit, die auch angemessen bezahlt werden sollte. Nur so kann es gelingen mehr und gute Erzieher zu gewinnen.“ Allerdings würden der Streik und sein ungewisses Ende viele Eltern in eine nicht hinnehmbare Lage bringen. „Wir raten ihnen daher, ihre Kita-Beiträge beziehungsweise die Kosten für die Nachmittagsbetreuung an den Grundschulen zurückzufordern“, so Martens weiter. „Leidtragende des Streiks sind die Eltern“, ist sich auch Dorothea Held-Samsche, Leiterin der ASB-Kita Burgwedel, bewusst. Leichtfertig seien sie und ihre Kolleginnen daher nicht in den Streik getreten. cs

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