Zaklin Nastic

Erste Station: Bibby Altona

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Zu Beginn der 1990er gab es schon einmal eine große Zuwanderungswelle in Deutschland. Im Rekordjahr 1992 baten mehr als 400 000 Menschen um Asyl.

 

Vor diesem Hintergrund charterte die Hamburger Sozialbehörde ab 1989 schwimmende Containerunterkünfte. Die „Altonaer Flüchtlingsschiffe“ wurden zunächst als Unterkunft für Übersiedler aus der DDR, bald jedoch für Aussiedler und Flüchtlinge verwendet. Die häufig überfüllten Schiffe waren der Ort, an dem tausende Familien ihre ersten Monate in Hamburg verbrachten.

Das Kreuzfahrtschiff „Marco Polo“ und das Containerschiff „Bibby Altona“ waren auch für Zaklin Nastic die ersten Stationen in Deutschland. Wegen der politisch instabilen Lage im Zusammenhang mit dem Zerfall des Kommunismus war die damals Zehnjährige 1990 mit ihrer Familie aus Polen nach Hamburg gekommen. Der Wunsch nach Demokratie und Freiheit war bei ihren Eltern so groß, dass sie den Neuanfang wagten. Noch heute erinnert sich Nastic an die beengten Verhältnisse auf den Schiffen. „Wir haben uns eine Kabine mit einem fremden Ehepaar geteilt!“ Privatsphäre und Platz zum Spielen gab es nicht. Zum Glück konnte das Mädchen bei Verwandten unterkommen, die in Eidelstedt lebten. Zaklin Nastic musste sich schnell in der Großstadt zurecht finden, da sie in eine Integrationsklasse nach Altona kam und den Weg mit Bus und Bahn zurücklegen musste. Da sie schnell lernte, kam sie bereits nach einem dreiviertel Jahr in eine reguläre Klasse. Hilfe von außen gab es nicht, die Verwandtschaft unterstützte sich gegenseitig.

„Ich finde es toll, dass es inzwischen so viele ehrenamtliche Betreuer gibt. Integration gelingt nur, wenn die Gesellschaft offen ist und auf Flüchtlinge und Migranten zugeht!“

Vor 20 Jahren sah das noch anders aus. Die Übergriffe  auf Ausländer in Ostdeutschland, Mölln und Solingen beunruhigten die Familie zeitweise sehr. „Mir wurde immer gesagt, ich solle im Bus bloß nicht Polnisch sprechen“, erinnert sich Nastic.

Ab der weiterführenden Schule hatte sie langsam das Gefühl, angekommen zu sein. Zaklin Nastic machte Abitur und studierte Slawistik, bis sie heiratete und zwei Kinder bekam. Da ihre achtjährige Tochter an einer Muskelerkrankung leidet und gepflegt werden muss, ist an eine Berufstätigkeit nicht zu denken. „Mit einem behinderten Kind lernt man neue Formen der Diskriminierung kennen“, hat die junge Politikerin festgestellt. Kein Wunder, dass Migration und Inklusion „ihre“ Themen sind. Bei den Linken mit ihrer Forderung nach sozialer Gerechtigkeit fühlt sie sich gut aufgehoben. „Ich setze mich dafür ein, dass die Menschen, woher sie auch kommen mögen, mit Wohlwollen empfangen und aufgenommen werden. In einer Weltstadt wie Hamburg sollte Interkulturalität als Bereicherung begriffen werden!“ löv

 

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