Wehrt sich gegen die Aufschüttung: Die Bürgerinitiative zum Erhalt der Hagendeel Aue Fotos: mf

Flüchtlingsunterkunft kommt

Eine Ausnahmegenehmigung für das Überschwemmungsschutzgebiet ermöglicht den Bau am Hagendeel in Lokstedt

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Mitten im Überschwemmungsschutzgebiet soll am Hagendeel 60 eine Flüchtlingsunterkunft entstehen. Die Aufschüttung des Geländes kritisieren Anwohner scharf.

 

Gebaut wird trotzdem – ei­- ne Ausnahmegenehmigung macht es möglich. Dass in Kellern und Gärten regelmäßig das Wasser kniehoch steht, sind die Mitglieder der „Bürgerinitiative zur Erhaltung der Aue Hagendeel“ gewohnt. Wenn die rund 17 000 Quadratmeter große Fläche zwischen Hagendeel und Alter Kollau jedoch aufgeschüttet und versiegelt würde, „sind wir mit einer dramatischen Verschlechterung konfrontiert“, befürchtet Anwohner KarlHeinz Messelken. Die Hagendeel Aue spiele eine wichtige Rolle als Auffangfläche und müsse als solche erhalten bleiben. Ende Januar wurde dennoch die Baugenehmigung erteilt: „Es wurde im Baugenehmigungsbescheid eine Ausnahmegenehmigung nach Paragraph 78 des Hamburgischen Wassergesetzes (HWaG) für die Errichtung von Interimsunterkünften einschließlich der dazu notwendigen Geländeaufhöhung mit Erdbewegung im vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebiet an der Kollau  erteilt. Diese Ausnahme wurde auf Basis der Prüfung der wasserwirtschaftlichen Auswirkungen des Bauvorhabens durch den Landesbetrieb für Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) erteilt“, so Elmar Schleif vom Bezirksamt Eimsbüttel.


Berechnungen falsch?

Gegen diese Entscheidung geht die Bürgerinitiative nun juristisch vor: „Es wurden grobe Fehler gemacht“, erläutert Axel Thiede von der Bürgerinitiative. „Der Grundwasserspiegel wurde nicht berücksichtigt. Das Wasser soll in Gruben aufgenommen werden, die unterhalb des Spiegels liegen und nichts mehr aufnehmen können.“ Auch seien ausschließlich die Niederschläge auf die Fläche, nicht aber die überlaufenden Wassermengen der Alten Kollau bei Hochwasser berücksichtigt worden.

„Wir gehen gegen die Aufschüttung vor, nicht gegen die Baugenehmigung für die Unterkunft“, stellt Thiede klar. Was auf der Fläche entstehe, die als Gewerbegebiet ausgewiesen ist, sei für die Initiative zweitrangig.

Wertverlust befürchtet

Schadensersatz können die Anwohner durch häufigere Hochwasserereignisse nicht erwarten, in Wut mischt sich Verzweiflung: „Unsere Häuser verlieren ihren Wert.“ Die Initiative fordert eine Neuberechnung des Überschwemmungsgebietes Kollau unter Berücksichtigung der Beobachtungen bei Hochwasserlagen. „Es darf nur gebaut werden, wenn zumindest keine Verschlechterung für die Anwohner eintritt“, so Thiede. Die für das zweite Quartal 2015 geplante Eröffnung der Unterkunft wurde bereits um ein Jahr auf das zweite Quartal 2016 verschoben: „Die Aufschüttung im Überschwemmungsgebiet und die Erschließung sowohl der Baustelle als auch der späteren Einrichtung haben eine längere Planungsphase erforderlich gemacht“, erklärt Oliver Kleßmann aus der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration.  Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke (SPD) stellte bereits auf einer Informationsveranstaltung im Sommer 2014 klar, dass es zu dem Standort Hagendeel keine Alternative gäbe.     mf

 

Für Familien

 

Für mindestens zehn Jahre sollen im Hagendeel 13 zweistöckige Holzbauten mit insgesamt 288 Plätzen entstehen. Die 50 Quadratmeter großen Wohnungen mit je drei Zimmern, Küche und Bad sollen vornehmlich von Familien bezogen werden.

 

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