Abenteuerliche Flucht auf dem Landweg

Bezirkspolitiker erzählen von ihrer Ankunft in Deutschland – Heute: Koorosh Armi

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An seine Kindheit in Mashhad, der zweitgrößten Stadt im Iran, kann sich Koorosh Armi (28) nicht mehr erinnern. Schließlich war er erst zweieinhalb Jahre alt, als seine Eltern aus politischen Gründen und aus Angst vor einem erneuten Golfkrieg ihre Heimat verließen.

 

Mehrere Wochen dauerte die abenteuerliche Flucht auf dem Landweg über Kurdistan und die Türkei. „Wenn ich mir heute vorstelle, ich müsste mit zwei kleinen Kindern ein solches Wagnis eingehen, kann ich nur sagen, dass ich größten Respekt vor meinen Eltern habe!“

Kurz vor dem Mauerfall kam die Familie in Deutschland an und wurde in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften rund um Hildesheim untergebracht. Noch heute erinnert sich Koorosh Armi, dass er damals Kakao für sich entdeckte und sein Onkel die Flaschen in Ermangelung eines Kühlschranks an Seilen aus dem Fenster hängte.  Die Verhältnisse waren sehr beengt.  Bis zu 100 Menschen teilten sich drei Badezimmer. Trotzdem waren die Armis glücklich, gesund in Deutschland angekommen zu sein.

Die Ausländerbehörde schickte sie schließlich ins beschauliche Aurich nach Ostfriesland. Die Mutter, gelernte Krankenschwester, konnte dort als Aushilfskraft in der christlichen Kita ihres Sohnes arbeiten. Sein Vater, studierter Bankinspektor, jobbte in einem Modegeschäft. Für die Familie war die „Ostfriesenphase“ ein Glücksfall, weil schnell Kontakte zu Einheimischen entstanden und es viele Menschen gab, die sich kümmerten. „Mit meiner Kindergärtnerin und ihrem Mann sind wir bis heute befreundet. Sie haben uns das Leben in Deutschland und christliche Traditionen erklärt.“ 

Diskriminierung erfuhr Koorosh Armi erst, als die Familie 1994 aus beruflichen Gründen nach Hamburg zog. Sein Vater, dessen Studium nicht anerkannt wurde, begann eine Umschulung zum Altenpfleger, seine Mutter bekam eine Stelle im Krankenhaus St. Georg, wo sie bis heute arbeitet.

„Als ich 13 Jahre alt war, wurde ich in Eidelstedt von Neonazis verprügelt“, berichtet der SPD-Politiker, der nach dem Abitur Sozialökonomie studierte und aktuell als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig ist. Da Armi aus einem politischen Haushalt kommt und abendliche Diskussionen an der Tagesordnung waren, machte er schon früh bei der Jugendinitiative „Politik e.V.“ mit.

Für den Eintritt in die SPD entschied er sich nach einer Aktion der Jusos, die 2001 bei einer Veranstaltung in der Julius-Leber-Schule mit „Schill Out“-Plakaten  gegen die Teilnahme von Innensenator Ronald Schill demonstrierten.  Mittlerweile ist Armi im Vorstand der SPD Schnelsen und seit 2011 Mitglied der Bezirksversammlung.

„Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass es ein schlimmer Fehler ist, wenn Zuwanderer unter sich bleiben“, so Armi. Das Erlernen der Sprache sei der Schlüssel zur Integration – entsprechende Bildungsangebote vorausgesetzt. löv

 

 

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