Wichtiger Anlaufpunkt In den letzten Jahrzehnten – wie hier auf einem älteren Bild – nutzten eindeutig mehr Eltern gern das flexible Betreuungsangebot Foto: privat

Ungewisse Zukunft fürs Spielparadies

Betreuerinnen hoffen auf steigende Nachfrage

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Es war das erste Mal, dass der betreute Spielplatz in der Ordulfstraße für zwei Wintermonate aufgrund der mangelnden Nachfrage schließen musste. Nun hat er zwar wieder geöffnet, doch die Situation hat sich nicht wesentlich gebessert.

 

Bis zu 20 Kinder toben normalerweise über den Spielplatz. Momentan sind es täglich nur ein bis drei Knirpse. „Klar, es ist noch nicht das beste Wetter. Doch wir sind eigentlich mehr Kinder gewöhnt“, so Betreuerin Sieglinde Geppert.

Seit 1967 gibt es das Kinderparadies in Niendorf, erst an der Max-Zelck-Straße, seit 1991 in der Ordulfstraße. Gisela Zerbe ist seit 34 Jahren als Betreuerin dabei, seit 16 Jahren unterstützt von Sieglinde Geppert.

Für 1,50 Euro pro Stunde können Eltern von 8.30 bis 12 Uhr werktags bei ihnen ihre Kleinen abgeben. Doch mit der Einführung der kostenlosen fünfstündigen Kita-Betreuung im August 2014 in Hamburg, sinkt die Zahl der betreuten Kinder im Spielparadies.

„Dass es tatsächlich so spürbar wird, hat uns doch überrascht“, so Gisela Zerbe. Dabei hat ihr Angebot deutliche Vorteile gegenüber dem klassischen Kita-Platz. „Wir haben kein festgezurrtes Konzept oder Programm. Bei uns gibt es reine Spielzeit, noch dazu immer an frischer Luft und mit viel Natur drum herum“, so Sieglinde Geppert. Jede Menge Buddelsachen und Fahrgeräte gibt es für die Lütten und bei wirklich ganz schlechtem Wetter suchen alle im rot bemalten kleinen Häuschen mit Spiel- und Malzeug Schutz.

Falls ein spontaner Arbeitstermin ansteht, ein Arztbesuch oder einfach die Lust auf einen kinderfreien Einkaufsbummel groß ist – sind die Kleinen bei dem engagierten Erzieherinnen-Duo bestens aufgehoben. Und nicht nur die. Denn in den Ferien kommen durchaus auch ältere Jungs und Mädchen, um ihre Freizeit im Sand zu verbringen.

Jahrzehntelang stand diese Spielplatz-Betreuung auf sicheren Beinen, war eine viel geliebte Institution im Stadtteil und unverzichtbar für Eltern und Kinder –  finanziert vom Verein Aktion Kinderparadies, finanziell vom Bezirksamt und auch durch Sachspenden unterstützt. 2012 wurde der 60. Geburtstag des hamburgweit aktiven Trägervereins groß gefeiert. Doch die Zukunft ist ungewiss. Denn rein rechnerisch ist klar, dass die beiden Frauen mit schwindender Kinderzahl nicht einmal den Mindestlohn für ihren Dienst erreichen können. Doch die Zwei widmen sich ihrer Aufgabe trotzdem mit aller Leidenschaft und Hingabe. „Für uns ist das viel mehr als berufliches Engagement“, sagen beide. „Wir würden uns freuen, wenn wieder mehr Eltern den Weg zu uns finden würden und müssen schauen, wie es perspektivisch weiter gehen kann.“ moe

 

Aktion Kinderparadies, Ordulfstraße (Eingang bei Nr. 64), Niendorf, Tel.: 58 77 79, www.aktion-kinderparadies.de

 

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