Nicht alle haben ein eigenes Gerät, deswegen werden auch Laptops von der Schule verliehen, die per Kabel mit dem Internet verbunden werden Foto: moe

Klassenzimmer digital

WLAN-Projekt brachte schon erste (erstaunliche) Erkenntnisse

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Ende Januar startete offiziell ein neues schulisches Laptop- WLAN-Pilotprojekt in Hamburg. Auch das Niendorfer Gymnasium Ohmoor macht mit.

 

Drei Stadtteilschulen und drei Gymnasien nutzen beim von Senatskanzlei und Schulbehörde entwickelten Projekt „Start in die nächste Generation“ zwei Jahre lang im Unterricht Laptops, Smartphones und Tablets. Dafür bringen die Schüler eigene Geräte mit, und es wurde extra ein WLAN-Netz eingerichtet. „Die Schüler können die Geräte ergänzend für ihre Recherchen und mit ihren Programmen nutzen“, so Tutor und Biologielehrer Steffen Einfeldt am Gymnasium Ohmoor. „Durch diese Möglichkeit werden die Schüler ganz neu motiviert und können Lehrer den Unterricht noch individueller gestalten.“ Vorausgegangen war ein langer Vorbereitungsprozess inklusive Einverständniserklärungen, Vorbereiten der Technik, Umsetzen aller Datenschutzregeln und Seminare für Lehrer.

In der Biologie-Stunde packt Elftklässlerin Carina jetzt ganz selbstverständlich ihr Smartphone raus ­– für das sie einen geschützten WLAN-Zugang mit Passwort hat – und ruft ihre Aufgabe ab, recherchiert über Molekulargentik, schreibt dann ihre Notizen auf einen Zettel. Fast alle in der Klasse bleiben bei den handschriftlichen Notizen. „Das geht schneller und ich kann mir Handgeschriebenes einfach besser merken“, sagt Felix (16). Auch wenn es etwas befremdlich wirkt, wie alle auf ihre Tablets und Smartphones starren, ist das gar nicht so absonderlich. „Wir in der Oberstufe hatten auch schon vorher kaum Frontalunterricht, haben uns in Gruppen viel selbst erarbeitet“, so Stina (16). Lehrer Steffen Einfeldt dazu: „Das Lernen ist und bleibt eine Kopfsache. Das kann kein Gerät der Welt ersetzen.“

Kritiker hatten unrecht Trotz der Nutzung von Smartphone, Tablet und Co. nutzen die Schüler auch weiterhin vorwiegend Papier und Stift, um ihre Notizen aufzuschreiben Foto: moe

Neue Blickwinkel

Dank eines extra Servers hat der Lehrer Zugriff auf frei gegebene Schüler-Dokumente wie Experimentberichte. „Die neue Recherchemöglichkeiten der Schüler bringen oft Ergebnisse oder Blickwinkel zu Tage, die auch mir völlig neue Einblicke geben“, so Lehrer Einfeldt.

Auch mit Themen wie Urheberrecht oder Sicherheit im sozialen Netzwerk setzen sich die Schüler im Unterricht auseinander. „Im Vergleich zu früher sind wir jetzt in den Pausen eindeutig weniger bei Facebook oder WhatsApp unterwegs“, so Stina.

Nun sind alle gespannt, welche Ergebnisse das Projekt unter wissenschaftlicher Begleitung hervorbringt. Steffen Einfeldt hat schon zwei Erkenntnisse gewonnen: „Ich spare jede Menge Papier, da ich fast nichts mehr ausdrucken muss. Und Smartphones sind für die Unterrichtsnutzung eindeutig zu klein.“ moe

 

Schulleiter Detlef Erdmann vom Gymnasium Ohmoor

 

Niendorfer Wochenblatt: Wie viele Schüler nehmen an dem Programm teil?

Detlef Erdmann: Es sind rund 220 Schüler in vier achten Klassen und in den Profilkursen des elften Jahrgangs dabei. Es gab drei Ablehnungen und es stehen auch noch einige Rückmeldungen aus.

 

NW: Was passiert bei einer Nicht-Zustimmung für einen Schüler?

Erdmann: Gemäß den Behörden-Vorgaben ist dann die ganze Klasse von dem Projekt ausgeschlossen.

 

NW: Wie reagieren Sie auf die Kritik, die es vor allem wegen der Elektrosmog-Gefahr gab?

Erdmann: Teilweise waren das unseriöse und sicher auch politische Meinungen. Schließlich bescheinigen diverse Studien und Bundesinstitutionen, dass bei Einhaltung der empfohlenen Höchstwerte für die Gesundheit keine Gefahr besteht. Zur Aufklärung wurde auf Initiative des Elternrats eine Messung der WLAN-Strahlung an der Schule veranlasst und die Ergebnisse und deren Bedeutung werden von einem Experten bei einem Info-Abend erläutert.

 

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