Hamburg bleibt rot

SPD dominiert, CDU verliert

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Hamburg hat gewählt – und seinem Ersten Bürgermeister den Weg für eine zweite Amtszeit geebnet. Die SPD unter Olaf Scholz hat in der Hansestadt erneut einen furiosen Wahlsieg eingefahren.

 

45,7 Prozent (2011: 48,4) aller Stimmen und somit 58 (2011: 62) der insgesamt 121 Sitze in der Hamburger Bürgerschaft gehen an die Sozialdemokraten. Das ist eindeutig. Und dennoch: Einen nicht ganz so kleinen Wermutstropfen gibt es. Die Alleinregierung ist Geschichte, die Genossen sind künftig auf einen Koalitionspartner angewiesen. Glück für die Grünen: Sie haben nach vier Jahren in der Opposition wieder die Chance auf eine Regierungsbeteiligung. Die Partei, die mit ihren Spitzenkandidaten Katharina Fegebank und Jens Kerstan leicht zulegt (12,2 Prozent, 15 Sitze; 2011: 11,2 Prozent, 14 Sitze), ist laut Scholz die erste Wahl, wenn es um die Koalitionsverhandlungen geht.

In einem absoluten Desaster endet der Wahltag für die Hamburger CDU und ihren Spitzenkandidaten Dietrich Wersich. Die Christdemokraten kommen mit gerade einmal 15,9 Prozent der Stimmen auf 20 Sitze in der Bürgerschaft (2011: 21,9 Prozent, 28 Sitze) – das drittschlechteste Ergebnis in der deutschen Nachkriegsgeschichte bei einer Bürgerschaftswahl und das schlechteste Ergebnis in Hamburg überhaupt.

FDP und Linke legen zu

Des einen Freud, ist des anderen Leid: Grund zum Feiern hat die von vielen bereits totgesagte Hamburger FDP, die mit 7,4 Prozent der Stimmen (2011: 6,7 Prozent) den ersten Wahlerfolg nach dem Bundestags-Aus der Partei verbuchte. Spitzenkandidatin Katja Suding konnte ihre Partei aus dem monatelangen Umfragetief herausholen und zieht nun wieder, zusammen mit acht weiteren Liberalen, in die Bürgerschaft ein. Auf ihr bislang bestes Ergebnis in Hamburg kommen die Linken: 8,5 Prozent (2011: 6,4 Prozent). Spitzenkandidatin Dora Heyenn hatte allerdings bereits vor der Wahl klar gestellt, dass die Partei an einer Regierungsbeteiligung kein Interesse habe und lieber aus der Opposition heraus Politik betreibe.

Und das ist neu: Die Hamburger Bürgerschaft besteht ab sofort aus sechs Parteien. Denn die Alternative für Deutschland (AfD) holt aus dem Stand 6,1 Prozent und zieht mit insgesamt acht Abgeordneten erstmals in ein westdeutsches Parlament ein. Nun will die umstrittene Partei laut ihrem Spitzenkandidaten Jörn Kruse erst einmal zeigen, „dass wir eine seriöse Partei sind.“ Enttäuschend fiel, nach dem Tiefstand von 2011, erneut die Wahlbeteiligung aus, die mit 56,6 Prozent noch einmal um 0,7 Prozent absank.

 

Niendorf, Lokstedt, Schnelsen : So wurde im Wahlkreis 7 abgestimmt

Dort fahren die Sozialdemokraten ein starkes Ergebnis ein und kommen auf 49,2 Prozent (2011: 49,9 Prozent) der Stimmen. Bittere Verluste für die CDU: Sie verliert im Vergleich zur Bürgerschaftswahl 2011 7,1 Prozentpunkte und liegt jetzt nur noch bei 17,7 Prozent. Drittstärkste Kraft im Wahlkreis sind die Grünen mit 10,5 Prozent (2011: 9,2 Prozent), dicht gefolgt von der FDP mit 7,5 Prozent (2011: 7,2 Prozent). Die  AfD kommt auf 6,0 Prozent, während die Linken 5,7 Prozent (4,5 Prozent) der Stimmen erhalten. Die Wahlbeteiligung liegt im Wahlkreis 7 mit 61,6 Prozent etwas höher als im städtischen Durchschnitt. Folgende Abgeordnete ziehen  über die Wahlkreisliste in die neue Bürgerschaft ein: Dr. Monika Schaal (SPD, 39 214 Stimmen), Marc Schemmel (SPD, 15 123 Stimmen), Carsten Ovens (CDU, 26 760 Stimmen) und Anna Gallina (Grüne, 20 683 Stimmen). Über die Landesliste wurden zudem der SPD-Kreisvorsitzende Milan Pein (Platz 9) sowie Antje Möller von den Grünen (Platz 3) in die Bürgerschaft gewählt. Auch Danial Ilkhanipour bekleidet nach seiner umstrittenen Kandidatur für den Deutschen Bundestag im Jahr 2009 nun wieder ein politisches Mandat. Der Sozialdemokrat mit dem Listenplatz 57 konnte 5 818 Wähler mobilisieren, die ihm einen Sitz in der neuen Bürgerschaft sicherten. Nicht länger in der Hamburger Bürgerschaft vertreten sind die SPD-Abgeordnete Sabine Steppat (Platz 27) sowie die CDU-Abgeordneten Dr. Roland Heintze (Platz 2) und Hjalmar Stemmann (Platz 16). cs

 

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