Überragend Zwischen den normalen ein- bis zweigeschossigen Wohnhäusern sticht das gigantische Neubauprojekt am Ohmoorring hervor Foto: moe

Hoch, höher, Nachverdichtung

Bau-Gigant erbost viele Niendorfer und veranlasst Nachbarn zum Wegzug

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Nicht nur Nachbar Christian Knigge ist geschockt. Viele Anwohner der Umgebung reiben sich verwundert die Augen, angesichts des baulichen Riesen, der da im Ohmooring in die Höhe wächst.

 

Bereits im April berichtete das Wochenblatt über das geplante Bauvorhaben. „Mein Nachbar, der Gigant“ lautete der Titel und der ist mittlerweile Realität. Für die direkten Nachbarn Christian und Irina Knigge hat das neue Mehrfamilienhaus nun bittere Konsequenzen. „Wir wurden ja schon bei der Vorstellung des Projekts gewarnt, dagegen vorzugehen“, so Christian Knigge. Er wagte es trotzdem, erwirkte beim Verwaltungsgericht sogar einen Bauaufschub. Doch dieser wurde vom Oberverwaltungsgericht dann wieder abgelehnt.

„Aufgrund unserer Argumente ist das aber überhaupt nicht nachvollziehbar“, so Knigge. So sieht der Bebauungsplan für das Nachbargrundstück im ganzen Gebiet eine zweigeschossige Bauweise vor. „Das wurde aber mehr als großzügig ausgelegt und auch getrickst“, so der Betroffene. „Zur oberirdischen Garage kommen zwei Vollgeschosse dazu und dann unglaubliche drei Dachgeschosse, die allerdings auch als absolut vollwertig anzuerkennen sind.“

Bauweise ist rechtens

Auf Nachfrage erklärt Elmar Schlief, Pressesprecher des Bezirksamts Eimsbüttel: „Bei einer zweigeschossigen Ausweisung kann man ein Gebäude mit zwei Geschossen und einem Staffelgeschoss bauen. Handelt es sich aber um ein Gebäude mit einem geneigten Dach, dann sind mehrere Geschosse im Dachraum übereinander möglich. Entscheidend ist, dass das obere Geschoss eine lichte Höhe von 2,30 Meter über weniger als 2/3 des darunterliegenden Geschosses hat. Rechtsgrundlage dafür ist §2 Abs. 6 Satz 3 der Hamburgischen Bauordnung.“

Damit kommt aber das Gebäude nun schließlich auf über 16 Meter Höhe. Und statt wie vorher in ein kleines idyllische Wäldchen, schauen die Knigges nun auf einen Betonklotz. „Dass nun überhaupt keine Sonne mehr auf unsere Grundstück kommt, das ist für uns eine enorme Einbuße der Lebensqualität. Außerdem wird die vollflächige Zubetonierung der Fläche bald zu Überschwemmungs-Problemen in unserem moorigen Gebiet führen.“

Als Immobilienkenner weiß Christian Knigge, dass Nachverdichtung und damit höhere Bauten gefordert sind. „Aber wie sich hier über alle bestehenden Gesetze und Verordnungen hinweggesetzt wird, das ist ein Unding“, so Knigge. „Dieser Bau dominiert unser ganzes Wohngebiet. Dieser Vorfall ist für mich wie eine Enteignung.“ Daraus werden die Knigges nun Konsequenzen ziehen. „Wir planen, unser Haus zu verkaufen und wegziehen. Unser Ruhestand soll nicht von mangelnder Lebensqualität geprägt sein.“  moe

 

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