Die klassische Prägung des Wohngebiets Bondenwald mit Ein- bis Zweifamilienhäusern wird bei dem Neubauprojekt nicht eingehalten Foto: löv

Baubeginn steht bevor

Nachbarn mussten für ihre Widersprüche sogar Gebühren bezahlen

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Noch 2014 standen eine Gründerzeitvilla und ein
Friseursalon auf dem Grundstück Bondenwald 1. Die Bewohner des benachbarten
Mehrfamilienhauses an der Friedrich-Ebert-Straße konnten von ihren Balkonen in
den großen rückwärtigen Garten blicken.

 

Diese Zeiten sind vorbei. Die Häuser
wurden abgerissen, sämtliches Grün entfernt. Voraussichtlich im Januar ist
Baubeginn für ein umstrittenes Mehrfamilienhaus. Umstritten deshalb, weil für
den Komplex mit 25 Wohnungen, Tiefgarage und angrenzendem Doppelhaus in sieben
Punkten Abweichungen vom geltenden Bebauungsplan genehmigt wurden. Anstelle der
überwiegend einstöckigen Bebauung im Bondenwald entstehen hier drei
Vollgeschosse plus Staffelgeschoss. Unmittelbar nach Genehmigung des Bauantrags
hatten mehrere Anwohner Widersprüche eingelegt, die jedoch nichts bewirkten.
Stattdessen flatterten ihnen Gebühren für das Widerspruchsverfahren zwischen 85
und 350 Euro ins Haus.

„Das Bauvorhaben wurde im Rahmen eines
Eilrechtsschutzverfahren gerichtlich überprüft. Nachdem dieses über zwei
Instanzen erfolglos geblieben war, hat unser Rechts-amt bei den
Widersprechenden nachgefragt, ob die Widersprüche trotz der negativen
Entscheidungen des VG und OVG aufrecht erhalten werden sollen“, erklärte
Bezirkssprecherin Aileen Röpcke. Die Anwohner hätten die Möglichkeit gehabt,
das gebührenpflichtige Widerspruchsverfahren durch Rücknahme zu beenden und
entsprechend die Gebühren zu reduzieren. Die Kosten für umfassende rechtliche
Prüfung einschließlich Übermittlung des schriftlichen Ergebnisses fielen wegen
des Bearbeitungsaufwands höher aus.

„Die Behörde hat nur im Sinne des
Investors entschieden“, kritisiert Nachbarin Bettina Kellermann. Gerade erst
musste die Eigentümergemeinschaft des angrenzenden Anwesens Bondenwald 3 eine
weitere Kröte schlucken. Eine große Kiefer, die auf ihrem Grundstück stand,
deren Krone und Wurzelwerk jedoch in das Baugebiet ragten, wurde Mitte Dezember
gefällt. „Wir sind fassungslos und entsetzt! Es kann doch nicht sein, dass wir
das alles hinnehmen müssen, ohne uns wehren zu können!“

Die alte Villa und der Frisörsalon wurden abgerissen
Foto: löv

 

Eine enge Mitstreiterin aus dem nachbarschaftlichen Zusammenschluss
hat entnervt aufgegeben. Sie will ihre Wohnung verkaufen und aus Hamburg
wegziehen. Die verbleibenden Anwohner befürchten eine Verschattung,
Lärmbelästigung und Einschränkung ihrer Privatsphäre. Zudem tragen sie Sorge,
dass mit dem Neubauprojekt eine Landmarke gesetzt wird und die klassische
Prägung des Wohngebiets durch Ein- bis Zweifamilienbebauung bald der
Vergangenheit angehört. löv

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