Die Sorgen bleiben

Behörden informieren zu Überschwemmungsgebieten Kollau und Tarpenbek

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Den Behördenvertretern schwappte am Montag in der Aula der Schule Vizelinstraße der Ärger von etwa 250 anwesenden Bürgern entgegen. Während die einen nur sachlich darüber informieren wollten, was unabänderlich scheint, argumentierten die anderen heftig dagegen.

 

Eine verfahrene Situation, die vielleicht hätte verhindert werden können.  Denn bereits im Februar  wurde in einem von der SPD-Fraktion initiierten interfraktionellen Antrag der Bezirksversammlung die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) aufgefordert, die betroffenen Grundeigentümer vor der öffentlichen Bekanntmachung der Überschwemmungsgebiete (ÜSG) persönlich anzuschreiben und auf einer Veranstaltung zu informieren.  

Stattdessen folgte nur eine Mitteilung im Amtlichen Anzeiger. Erst jetzt, anlässlich des Termins am Montag, erhielten viele Anwohner zum ersten Mal ein Schreiben der BSU.

Kay Gätgens, Leiter der Stadt- und Landschaftsplanung Eimsbüttel, wies gleich zu Beginn auf die verlängerte Frist für Stellungnahmen bis zum 31. Oktober hin. Als er dann aber die geplante Bebauung am Hagendeel und die Hochwasserschutzmaßnahmen von der Diskussion ausklammerte, gab es die ersten Buh-Rufe. Danach machte Wolfgang Meier von der BSU- Wasserwirtschaft deutlich, dass die Festsetzung von ÜSG eine gesetzliche Verpflichtung und kein Planungs- und Abwägungsprozess sei.

                  

Anwohner beklagen fehlerhafte Berechnung

 

Die von Dr. Gabriele Gönnert vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) vorgestellten Daten für die Berechnung des ÜSG Kollau, zweifelten viele Zuschauer an. Für sie sei es gemachtes Hochwasser, weil die Pflege der Gewässer lange Zeit vernachlässigt wurde. Dazu gehöre auch, dass die schmale Unterführung der Kollau an der Niendorfer Straße den Rückstau begünstige. Ein anderes Problem seien die vielen versiegelten Flächen.  

Nicht pauschalieren

Martina Wedel-Dreier, zuständig für Umweltrecht bei der BSU, bestätigte auf Nachfrage eine tatsächliche Wertminderung einzelner Grundstücke, was jedoch abhängig von den jeweiligen baurechtlichen Beschränkungen sei. Eine Pauschalaussage wollte sie nicht treffen.

Gegenwind Die Behörden-Experten Martina Wedel-Dreier, Dr. Gabriele Gönnert und Wolfgang Meier (von li.n.re.) konnten am Montagabend keine Wogen glätten Foto: cd

Immer wieder versprach Wolfgang Meier, dass alle Betroffenen Antwort auf ihre Einwendungen erhalten werden. Zurzeit liegen der BSU 44 Schreiben vor. Uwe Klinger tröstete das nicht. Er will sich in der neu gebildeten Interessengemeinschaft Überschwemmungsgebiet Kollau weiter gegen die Pläne der Stadt zur Wehr zu setzen.  cd

 

 

Rechtlicher Hintergrund

 

Hamburg ist gesetzlich zur Festsetzung von ÜSG verpflichtet. Danach muss die Stadt ihren Binnenhochwasserschutz an die Hochwasserrisikomanagement- Richtlinien der EU anpassen. Risikogebiete, in denen ein Hochwasserereignis statistisch einmal in 100 Jahren zu erwarten ist, sind als Überschwemmungsgebiete festzusetzen (Paragraph 76 des Wasserhaushaltsgesetzes).

 

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