Für oder gegen das Turbo-Abi?

Schüler aus den Stadtteilen verraten, ob sie für acht oder neun Jahre am Gymnasium stimmen würden

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Der Hamburger Schulfrieden ist in Gefahr. Denn mit der Schulreform im Jahr 2010 war eigentlich vorgesehen, dass es für die nächsten zehn Jahre an den Strukturen keine Änderung geben soll.

 

Nun aber könnte das Streben nach Wiedereinführung des Abiturs nach 13 Schuljahren am Gymnasium diese Vereinbarung nichtig machen. Zwar haben sich in einem Meinungsbild der Schulbehörde 85 Prozent der Teilnehmer für die Beibehaltung von G8 ausgesprochen, ebenso wie Hamburgs Elternkammer, Hamburgs Schülerkammer und Hamburgs Lehrerkammer sowie der Landesschulbeirat, beide Lehrergewerkschaften und alle Schulleitungen Hamburgs.

Volksbegehren läuft

Doch andere Umfragen zeigen, dass durchaus viele Hamburger die Allgemeine Hochschulreife nach 13 Schuljahren eben nicht nur an den Stadtteilschulen sondern auch an den Gymnasien wünschen. Die Initiative  „G9-Jetzt-Hamburg“ hat ein Volksbegehren beantragt, bei dem bis zum 8. Oktober für das G9-Abi 63 000 Unterschriften gesammelt werden sollen und damit der Weg zum Volksentscheid bereitet wird.

Das Niendorfer Wochenblatt hat junge Menschen als direkt Betroffene gefragt, was sie von der Debatte halten und wie sie abstimmen würden.   moe

 

 

David L‘ainé (16) aus Lokstedt: Der Lehrstoff wurde von 13 Jahren in 12 Jahre gepackt. Und um das zu schaffen, gibt es Epochen-­Unterricht. Damit entfiel für mich in der achten Klasse Geschichte. Stattdessen gab es Politik. Doch das kann nicht die Lösung sein, wenn wir ein Schuljahr lang unsere Kenntnisse nicht vertiefen können. Trotzdem habe ich jeden Tag bis 15 oder 16 Uhr Unterricht. Nach der Schule sind da noch die Hausaufgaben und Vorbereitungen auf Klausuren. Da bleibt kaum noch Zeit für Sport oder Hobbies. Ich finde auch, dass ein Jahr länger gut für unsere persönliche Entwicklung und Reife wären. Gerade in diesem Alter kann das entscheidend sein. Ich wünsche mir also definitiv G9. Denn das bedeutet mehr inhaltliche Qualität und eine bessere Vorbereitung auf Studium oder Arbeitsmarkt.

 

 

Finn Ehlerding (18) aus Niendorf: Durch G8 wird uns ein Jahr geschenkt. Nach der schulischen – und meist theoretischen – Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt in der Oberstufe, nutze ich jetzt die Chance für Nebenjobs und Reisen und sammle praktische Erfahrungen. Das bringt mich doch in meiner persönlichen Entwicklung mehr voran als noch ein weiteres Schuljahr. Außerdem würde die Rückkehr zu G9 einen enormen Aufwand bedeuten. Nicht nur die Gymnasien, auch die Grundschulen mit ihrem vorbereitenden Schulstoff müssten sich neu orientieren. Der Doppeljahrgang damals, wo G8 eingeführt wurde, der hat bestimmt die Unterschiede gemerkt. Jetzt ist aber alles gut eingespielt und die Schüler eingestellt auf das Leistungspensum. Druck und Zeit­stress gab es auch bei G9. Ich finde das Volksbegehren absolut überflüssig. Denn die schulischen Gremien wollen alle G8 behalten.

 

 

Lena Woidt (18) aus Niendorf: Unser Jahrgang hat einen hervorragenden Abitur-Durchschnitt. An Qualität kann es G8 also nicht mangeln. Wir hatten eigentlich fast immer nur Unterricht bis 13 Uhr. Bei längeren
Tagen waren immer die letzten Stunden Sport. Von mehr Stress kann ich also nicht sprechen. Ich glaube aber auch, dass es schulabhängig ist, wie G8 in den vergangenen Jahren umgesetzt wurde. Und sicherlich gibt es Schulen, wo der Unterricht noch verbessert werden kann. Dann wäre es aber wichtig, diese Einrichtungen zu unterstützen und zu stärken und jetzt nicht einfach alles rückgängig zu machen. Ich verstehe die Aufregung überhaupt nicht, denn jeder hat doch die persönliche Wahlfreiheit für G8 oder G9. Schließlich ist das Abitur an der Stadtteilschule absolut gleichwertig und gibt ein Jahr mehr Zeit.      Fotos:moe

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