Findet es bereichernd, neue Menschen kennenzulernen: Bernd Müller-Teichert (48). Foto: mf

Fremdes ganz vertraut

Pastor Bernd Müller-Teichert aus Lokstedt setzt sich für Flüchtlinge ein

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Pastor Bernd Müller-Teichert von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Lokstedt setzt sich engagiert für die Flüchtlinge in der Lokstedter Höhe und im Wohnkomplex Grandweg / An der Lohbek ein.

 

„Fremdes ist mir vertraut, ich habe ein Herz dafür“, erzählt der 48jährige Pastor, während hinter ihm Kinderlachen ertönt und Grillgeruch in der Luft des Lohbekparks liegt. Die Flüchtlingsunterkunft im Grandweg /An der Lohbek feiert ihr Sommerfest. Dafür, dass die derzeit 161 Menschen aus Syrien, Afghanistan, Serbien, Mazedonien und weiteren Ländern  sich in Lokstedt aufgehoben fühlen, sorgt auch Müller-Teichert. „Früher war ich Präsident der evangelischen Pfadfinder weltweit. Ich habe Flüchtlings-Camps in Nepal und Uganda besucht und auf Fidschi gelebt“, erzählt der Vater zweier Töchter. „Es ist bereichernd, neue Menschen zu treffen!“

Der Unterkunft in der Lokstedter Höhe folgte im April dieses Jahres die Zwischennutzung der Wohnungen im Grandweg und An der Lohbek, die lange leer standen. Hier leben viele Familien und traumatisierte oder kranke Menschen, darunter eine tschetschenische Familie mit einem todkranken Kind, die nicht in einem Container untergebracht werden können, in insgesamt 42 Wohnungen. 

Belastende Abschiebung

Wie schon in der Lokstedter Höhe organisierte Müller-Teichert Helfer-Treffen, sammelt Geld und ist Moderator der verschiedenen Gruppen: „Die Dynamik, die da entsteht, ist toll!“ freut er sich. Als belastend empfindet der Pastor die Abschiebungen, die von der Polizei immer nachts durchgeführt werden. „Die Menschen haben Angst und fühlen sich wie Verbrecher.“ Zwei Familien und eine Frau wurden bisher abgeschoben. Noch eineinhalb Jahre sollen die Wohnungen für Flüchtlinge genutzt werden, dann plant der Vermieter eine Sanierung. Auch einige der alteingesessenen Mieter feiern das Sommerfest mit ihren neuen Nachbarn. „Das hier ist ein normales Aufeinandertreffen von Generationen und Kulturen. Einige empfinden das als belastend, andere als bereichernd. Und wieder andere sehen das neutral“, so Müller-Teichert. Dafür, dass die Kommunikation zwischen allen trotz Sprachbarrieren funktioniert engagiert er sich zusammen in der Kommunikationsgruppe, einer der zahlreichen ehrenamtlichen Gruppen. mf

 

Kleiderkammer

Für die Kleiderkammer werden noch für Kinder Matschhosen, kleine Rucksäcke und Hausschuhe sowie Kleidung für pfundige Frauen gesucht. Spenden können bei fördern und wohnen, An der Lohbek 2c, montags bis donnerstags von 7.30 – 16 Uhr, freitags bis 15 Uhr abgegeben werden.

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