Volker Lang in seinem Atelier im Sootbörn Foto: löv

Projekt für eine halbe Million

Sootbörn-Künstler Volker Lang gestaltet Denkmal für Deserteure und Opfer der Militärjustiz

Archiv| Views: 34

 

Sein nächster Auftrag wird dem Künstler Volker Lang wenig Zeit für andere Projekte lassen. „Das kommende Jahr ist verplant“, stellt der Wahlhamburger nüchtern fest. In der Nähe des Dammtorbahnhofes wird er einen Gedenkort  für Deserteure und Opfer der Militärjustiz gestalten.

 

Mit seinem Entwurf setzte sich der 50-jährige gegenüber zahlreichen Mitbewerbern durch. Sein Konzept sieht einen transparenten Bau in Form eines gleichseitigen Dreiecks vor. Zwei Wände bestehen aus bronzenen Schriftgittern, die eine Textpassage aus Helmut Heißenbüttels Zitat-Collage  „Deutschland 1944“ widergeben.  Die gefaltete dritte Wand schließt den Raum zum Dammtor hin ab.

Ab September will der aus Augsburg stammende Bildhauer in seinem Atelier im Künstlerhaus Sootbörn die einzelnen Buchstaben in Wachs modellieren und von einer Bronzegießerei herstellen lassen. Die Kulturbehörde legt das Budget von einer knappen halben Million Euro nach Kontrolle des Kostenvoranschlags in seine Hände, so dass Lang die Auftragsarbeiten für zuarbeitende Gewerke oder Architekten selbstständig vergeben kann. „Ja, das ist schon toll, dass  ich dieses Projekt machen darf!“ sagt der gelernte Kirchenmaler und lächelt vorsichtig.

Volker Lang ist ein Mann der leisen Töne. Nachdenklich, tiefgründig und belesen sind Attribute, die ihn und seine Arbeiten gut beschreiben. Zu Beginn seiner Karriere wurden seine Ideen als zu introvertiert wahrgenommen. Lang beschäftigte sich damals mit Naturmaterialien, die er in einem Flussdelta nahe seiner Heimat fand und künstlerisch verarbeitete.

Mit dieser Sammlung bewarb er sich an mehren Kunsthochschulen, die ihn alle aufnehmen wollten.  Seine Wahl fiel auf die Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, wo er von 1988 bis 1994 studierte. „Ich habe mich zunächst wenig mit dem Programm der Akademie beschäftigt und weiter meine eigenen Arbeiten fortgesetzt. Dadurch fiel es mir schwer, mich einzugliedern, denn ich musste meinen Stil oft rechtfertigen!“

Im Laufe des Studiums schaffte es Lang, seine sehr persönliche Kunst auf ein sachliches Format zu übertragen. Ein Stipendium der Studienstiftung brachte ihm die nötige Anerkennung.

Das Modell des Mahnmals
Foto: Volker Lang

Vielfach ausgezeichnet

Der mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnete Künstler realisierte im Laufe der Zeit diverse Projekte im öffentlichen Raum, wie die Holzskulptur „Zwischen den Straßen“ nahe Soltau (1997), das mit einem Virginia-Woolf-Text beschallte „Wellenhaus“ in Cuxhaven und Travemünde (2001 + 2004) sowie das Denkmal „Der Engel schwieg“ aus Anlass des 60sten Jahrestages des Hamburger Feuersturms. Da Lang aufgrund dieses Projekts bekannt war, wurde er für das Auswahlverfahren rund um das  Deserteurdenkmal vorgeschlagen. Seine „Handschrift“ – eine Verbindung aus Text, Landschaft und Raum – wird dabei wieder zum Vorschein kommen. Und sie wird bestehen bleiben und nicht nur an die Opfergruppe erinnern, sondern ebenso an den Künstler und seine Intention, auch künftige Generationen zur Auseinandersetzung mit diesem speziellen Kapitel der NS-Zeit einzuladen. löv

 

Comments are closed.