Hebamme dringend gesucht!

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Der Deutsche Hebammenverband (DHV) und der Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands (BfHD) einigten sich  mit dem GVK-Spitzenverband auf eine Ausgleichszahlung durch die Krankenkassen. Das Problem ist damit aber nicht gelöst.

 

Stolze 5091 Euro zahlt eine freiberufliche Hebamme 2014 für ihre Berufshaftpflicht. 1992 waren es nur 178,95 Euro. Ihr Verdienst ist dagegen vergleichsweise gering. Der DHV hat einen Durchschnittsnetto-Stundenlohn von etwa 8,50 Euro ermittelt.

„Ab der 17. Geburt im Jahr verdiene ich Geld“, berichtet Wibke Klug, Beleghebamme im Albertinen-Krankenhaus in Schnelsen. „Nicht wenige Kolleginnen arbeiteten nur noch für die Kosten und gaben auf“, fährt die 37-jährige fort. Laut einer aktuellen Studie schmiss von  2008 bis 2010 jede vierte freiberufliche Hebamme in der Geburtshilfe das Handtuch. Die Folgen spürt Wibke Klug deutlich: „Ich bin bis März 2015 ausgebucht. Jede Woche sage ich mindestens drei Frauen ab. Sie haben Angst, keine Hebamme zu finden.“ Durch den Hebammenmangel ist auch schon in Hamburg die im Sozialgesetzbuch verankerte Wahlfreiheit des Geburtsortes eingeschränkt.

Teure Folgetherapien

Petra Kruse (55) aus Lokstedt, Mitbegründerin des Geburtshauses Hamburg und Schatzmeisterin beim DHV, erklärt die immens hohen Beiträge: „Die dem DHV gemeldeten Schadensfälle liegen zwar seit Jahren konstant bei 100, aber die Folgekosten für die Behandlung und Betreuung behinderter Kinder sind ex­trem angestiegen. Diese leben aufgrund der heutigen medizinischen Möglichkeiten immer länger.“

Keine endgültige Lösung

Sie kämpft schon lange für strukturelle Veränderungen. Dass die Krankenkassen nun den Kostenanstieg der Prämie übernehmen, ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn viele der ca. 3500 freiberuflichen Hebammen in Deutschland arbeiten in Teilzeit und können sich die Berufshaftpflicht trotzdem nicht leisten.

Wibke Klug ist sehr verärgert über diese Entwicklung: „Es ist einfach unfair, dass auf der von Männern dominierten politischen Ebene kaum Verständnis für die Frauengesundheit herrscht und dass freiberufliche Hebammen  auch noch rentenversicherungspflichtig sind.“ Aber ihren geliebten Beruf will sie nicht aufgeben. Noch nicht.    cd

 

Was macht eine Hebamme?

Hebammen sind Fachfrauen rund um Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach. Sie arbeiten als Angestellte und/oder sind freiberuflich tätig. Mit einer frühzeitigen Beratung wie Tipps zur gesunden Lebensweise beginnt schon während der Schwangerschaft die Partnerschaft zwischen Bald-Eltern und Hebamme. Nach der Geburtsbegleitung betreut sie die junge Mutter (z.B. Still-Hilfe) bis etwa zur achten Lebenswoche des Babys.

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