Insgesamt 15 Wandmalereien sind in dem Bunker erhalten. Fotos: Hamburger Unterwelten e.V., Michael Berndt

Abbruch trotz Denkmalschutz?

Bunker droht Abriss

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Im Zweiten Weltkrieg fanden hier bis zu 1500 Menschen Schutz, heute wird der Hochbunker glücklicherweise nicht mehr gebraucht. Die Beiersdorf AG möchte ihr Werksgelände erweitern, deshalb soll er nun weichen. Doch seltene Wandgemälde in dem außergewöhnlich gut erhaltenen Bunker könnten diese Pläne verhindern.

 

Der Hochbunker im Eidelstedter Weg 10 in Lokstedt hat noch die original Raumaufteilung mit vielen kleinen Kammern. Für Michael Berndt vom Verein Hamburger Unterwelten, der hier regelmäßig gut besuchte Führungen anbietet, ist das eine Besonderheit. Ebenso wie die noch betriebsbereiten technischen Anlagen, die Splitterschutztüren und hölzernen Türblätter.

Der Bunker, der bis 2004 von einem Musikverlag gemietet wurde, steht seit April 2013 unter Denkmalschutz. Trotzdem wird der Abbruch erwogen für eine mögliche Erweiterung der Beiersdorf AG. Nach Auskunft des Bezirksamtes Eimsbüttel solle die angrenzende Spielplatzfläche an Beiersdorf verkauft werden, den Abbruch des Bunkers zur Schaffung eines neuen Spielplatzes solle die Lokstedter Firma tragen.

Diese Pläne könnten nun insbesondere die 15 Wandgemälde im Innern des Bunkers verhindern, die das Denkmalschutzamt als schutzwürdig einstuft. Das Besondere: Es handelt sich nicht um Propaganda-Bilder, sondern um Werke Hamburger Maler, die hier Originale der Hansestadt und typische Hamburg-Motive verewigten.

Rüdiger Rust von der Lokstedter SPD schlägt einen Kompromiss vor: Der Bunker solle abgerissen, aber die Kunstwerke entfernt und an anderer Stelle öffentlich zugänglich gemacht werden, zum Beispiel an der U-Bahnstation Lutterothstraße. „Aus denkmalpflegerischer Sicht ist es vorzuziehen, das Denkmal als Ganzes zu erhalten“, sagt Enno Isermann aus der Kulturbehörde dazu. Bezirksamt und Kulturbehörde verhandeln derzeit über den Erhalt, eine Einigung gibt es noch nicht. „Die Finanzen des Bezirks erlauben nicht, den Bunker als Museum zugänglich zu machen“, gibt Rust zu bedenken. Auch Carsten Ovens von der CDU Bezirksfraktion plädiert für den Erhalt der Wandmalereien, sagt aber auch: „Der Standort ist von Interesse, damit sich ein ortsansässiges Unternehmen entwickeln kann. Hier geht es auch um Arbeitsplätze“. Eine Nutzung des Bunkers  für Musik-Bands käme nach einer Entscheidung für den Erhalt wohl eher nicht in Frage, da die kleinen original Räume dann zu Probenräumen umgebaut werden müssten.  mf

 

Bunkerabbruch

 

Je nach Bunker und Standort kommen verschiedene Methoden wie Fräsen, Sprengen, Stemmen oder Hydraulisches Schneiden zum Einsatz. „Für Anwohner ist das eine Belastung. Lärm und Staub gehören dazu“, so ein Mitarbeiter der AVG-Nord, die auf Bunker-Abrisse spezialisiert ist. Ein gutes halbes Jahr könnten die Arbeiten mit Begleiterscheinungen wie Erschütterungen, Lautstärke und Feinstaub dauern. 

 

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