In der Lenzsiedlung fallen demnächst mehr fast 1000 Wohnungen aus der Sozialbindung – das macht vielen Bewohnern große Sorgen Foto: mf

Wie teuer ist eigentlich noch „bezahlbar“ ?

Bis 2016 fallen viele Sozialwohnungen in Lokstedt aus der Mietpreisbindung

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In zwei, drei Jahren laufen in der Lenzsiedlung in fast 1000 Wohnungen die günstigen Mieten aus. Viele Mieter befürchten, dass sie ihre Wohnungen dann nicht mehr bezahlen können.

 

Noch kostet der Quadratmeter in der Lenzsiedlung etwa 5,30 Euro, während die Preise in anderen Quartieren längst im zweistelligen Bereich angekommen sind. Noch sind die Hochhausbewohner geschützt, weil ihre Mieten beim Bau der Sozialwohnungen langfristig festgeschrieben wurden. Doch diese Verpflichtung läuft aus.

Alleine im Eidelstedter Weg fallen bis 2016 etwa 860 Wohnungen aus der Bindung, ein Jahr später mehr als 100 Wohneinheiten in der Julius-Vosseler-Straße. Das wären dann zusammen mehr als 80 Prozent aller Sozialwohnungen in diesem Stadtteil. 

Nicht wenige Mieter fürchten, dass die Mietpreise bald ins Unbezahlbare steigen werden. Bei der SAGA/GWG reagiert man zurückhaltend auf Nachfragen bezüglich der zu erwartenden Mieterhöhungen. Vage wird von Erhöhungen von nicht mehr als 30 Euro gesprochen. Man werde aber, so die Auskunft, „genau hinschauen und mit Anpassungen sehr behutsam umgehen.“

Jeder Euro wiegt schwer

Dennoch: Bei vielen Bewohnern der Lenzsiedlung reicht das Geld heute schon vorne und hinten nicht. Jeder Euro mehr wiegt schwer. So sieht es auch Ralf Helling, Geschäftsführer des Vereins Lenzsiedlung: „Wir haben im Stadtteilbeirat den Wegfall der Mietpreisbindung thematisiert. Dort hieß es, es würden keine irrsinnigen Mietpreissteigerungen erwartet – eine Preis­steigerung kann aber schon ausreichen, dass Hartz- IV-Empfänger mit der ARGE Schwierigkeiten bekommen könnten.“ Letztlich müssten sie dann eventuell ausziehen, so seine Befürchtung.

Die Frage ist nur: Wohin? Im Schnelsener Riekbornweg sind gerade 90 geförderte Wohnungen im Bau, weitere 90 sind in Planung. Interessenten gibt es jetzt schon mehr als genug. In ganz Hamburg werden pro Jahr mehr als 2000 geförderte Mietwohnungen bewilligt, im Bezirk Eimsbüttel wurden 2012/ 2013 rund 200 solcher Baugenehmigungen erteilt. 

Ein Tropfen auf den heißen Stein? Auch die im Internet unter www.hamburg.de/bsu/karte- baugenehmigungen einsehbare Karte der Sozialbehörde zeigt nur vereinzelt Bauvorhaben, die den baldigen Wegfall der Sozialwohnungen kom­pensieren sollen. Eins steht fest: Bezahlbarer Wohnraum bleibt knapp in Hamburg. sun

 

 

Überschaubare Auswirkungen: Jens Uwe Maier im Interview

 

 

Wenn sich jemand gut auf dem örtlichen Immobilienmarkt auskennt, dann ist es Jens-Uwe Maier. Er ist in dritter Generation Inhaber der Hausmaklerfirma Richard E. Maier sowie Vorsitzender im Grundeigentümerverein Lok­stedt-Niendorf-Schnelsen und ehrenamtlicher Gutachter im Gutachterausschuss für Grundstückswerte der Freien und Hansestadt Hamburg. Er sieht der Entwicklung relativ gelassen entgegen.

 

Jens Uwe Maier geht davon aus, dass der Immobilienmarkt den Wegfall der
Sozialbindung verkraften kann Foto: privat

Niendorfer Wochenblatt: Welche Auswirkungen mag der Wegfall der Preisbindung auf die Bewohner vor Ort haben?

Jens Uwe Maier: Ich gehe derzeit von überschaubaren Auswirkungen auf die Bewohner der Lenzsiedlung aus. Wenn deren Wohnungen in zwei, drei Jahren aus der Sozialbindung fallen, müssen sie zwar mit einer Mieterhöhung rechnen, die wird sich wohl aber im überschaubaren Rahmen halten. Schließlich hat der Senat erst im vergangenen Jahr eine Rechtsverordnung zum Schutz der Bestandsmieter erlassen, mit der die Kappungsgrenze für Mieterhöhungen im laufenden Mietverhältnis von 20 auf 15 Prozent in drei Jahren abgesenkt wurde.

 

NW: Und wie sieht es da bei einer Neuvermietung aus?

Maier: Die Bundesregierung plant auch hier eine Deckelung der Mietsteigerung bei Neuvermietung auf zehn Prozent über dem Niveau der örtlichen Vergleichsmiete. Wie bei der Kappungsgrenze sollen die Länder dies für angespannte Wohnungsmärkte festlegen können. Fraglich ist allerdings, ob bis dahin schon die entsprechenden Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht sind.

 

NW: Was würden Sie raten?

Maier: Damit auch mittel- und langfristig noch bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht, sollte überlegt werden, ob nicht auch die technischen Anforderungen an den Neubau gesenkt werden könnten – etwa bei der Wärmedämmung. Ich denke, dass auch Wohnungen einfacherer Ausstattung ihre Abnehmer finden, sofern der Mietpreis stimmt. Die Stadt müsste für solche Bauvorhaben natürlich günstige Bauplätze anbieten. Aber es gibt für Wohnungssuchende auch gute Nachrichten: Derzeit stellen wir auf dem Markt eine deutliche Entspannung fest. Die Spitzen sind raus aus den Mieten, wir sehen teilweise bereits rückläufige Tendenzen bei den Preisen.

 

NW: Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Mietsteigerungen eingedämmt

 

Der Begriff „Kappungsgrenze“ ist im Mietrecht in § 558 Abs. 3 BGB geregelt. Gemeint ist die gesetzliche Regelung, nach der sich die Miete innerhalb von drei Jahren um nicht mehr als 20 Prozent erhöhen darf.

Vor knapp einem Jahr trat das Mietrechtsänderungsgesetz in Kraft. Es ermächtigte die Landesregierungen, diese Kappungsgrenze auf 15 Prozent herabzusetzen, wenn „die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Mietwohnungen zu angemessenen Bedingungen besonders gefährdet ist“. Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt hat festgestellt, dass in ganz Hamburg eine solche Gefährdungslage besteht. Deshalb beschloss der Senat, die Absenkung der Kappungsgrenze für Mieterhöhungen im laufenden Mietverhältnis von 20 Prozent auf 15 Prozent flächendeckend einzuführen. Die Verordnung trat am 1. September 2013 in Kraft. sun

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