Die Bronzetafel Pastor Peter Hahn, Schwarbergs Witwe Barbara Hüsing, Christian Samsche (v.li.) und der Schnelsener Aktionskreis Foto: löv

Ehrendes Andenken bewahren

Wegeverbindung in Schnelsen trägt nun Günther Schwarbergs Namen

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Es ist seiner Beharrlichkeit zu verdanken, dass die Namen der 20 jüdischen Kinder, die in der Schule am Bullenhuser Damm in den letzten Kriegstagen grausam ermordet wurden, nicht in Vergessenheit geraten sind.

 

Die Aufarbeitung und Veröffentlichung dieses Verbrechens wurde für den ehemaligen Stern-Journalisten Günther Schwarberg zur Lebensaufgabe. Zusammen mit seiner Frau Barbara Hüsing gelang es ihm, Angehörige der ermordeten Kinder in aller Welt zu finden. Mit ihnen gründete er 1979 die Vereinigung „Kinder vom Bullenhuser Damm“, auf deren Initiative unter anderem  die Schaffung der gleichnamigen Gedenkstätte zurückgeht.

Jetzt ist dem vor fünf Jahren verstorbenen Autor eine post­hume Ehrung zuteil geworden:  Nach ihm wurde ein Weg benannt, der den Schleswiger Damm über den Wassermann- Park mit dem Königskinderweg verbindet. Zudem erinnert eine Bronzetafel auf dem Roman- Zeller-Platz an Schwarberg, den Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke bei der Einweihungsfeier als „aufrechten und kämpferischen Journalisten“ bezeichnete, der fest in seiner Haltung gewesen sei und Streit ausgehalten habe. Ohne Schwarberg, den er Ende der 1970er Jahre persönlich getroffen habe, wäre seine eigene politische Sozialisation  anders verlaufen wäre.

Sevecke würdigte auch den Schnelsener Aktionskreis um Christian Samsche, der sich auf Anregung der Bezirksversammlung auf die Suche nach geeigneten Orten und Formen des Gedenkens an den Journalisten gemacht hatte. Um der Einweihung von Weg und Tafel beiwohnen zu können, war Barbara Hüsing aus Nordrhein-Westfalen angereist. Die Rechtsanwältin freut sich sehr darüber, dass der nach ihrem Mann benannte Weg von den Straßen umgeben ist, die an die Kinder erinnern. „Jetzt ist er wieder bei ihnen,“ sagte Barbara Hüsing. löv

 

Erinnerung an einen schrecklichen Teil der Geschichte

Erneut rege Teilnahme an der jährlichen Gedenkfeier auf dem Roman-Zeller-Platz

 

 

„Wir können nur noch von dir erzählen! Wir können bewirken, dass noch mehr Menschen von deiner Geschichte erfahren!“ Fast 70 Jahre nach der Ermordung der damals 12-jährigen Leika Birnbaum sind die Worte der Viertklässler ein Versprechen.

 

Sie werden die grausame Geschichte vom Tod der 20 Kinder, die von SS-Arzt Kurt Heißmeyer als Versuchsobjekte für medizinische Experimente missbraucht und am 20. April 1945 „beseitigt“ wurden, niemals vergessen. In diesem Jahr sind sie an der Reihe, die Tradition des Gedenkens, die seit 14 Jahren in Schnelsen-Burgwedel gelebt wird, aufrecht zu erhalten. „Es ist eine große Herausforderung, euch diesen schrecklichen Teil der Geschichte zu vermitteln,“ sagte Gemeindepädagogin Marion Voigtländer, die zusammen mit Pastor Peter Hahn die „Stunde der Erinnerung“ moderierte.

Schritte zum Frieden

Vor der Klagemauer mit den Bildern der getöteten Kinder legten die Schüler beschriftete Steine und Blumen nieder Foto: löv

Vorenthalten könne und wolle man ihnen die Vergangenheit jedoch nicht, denn in der Auseinandersetzung mit dem Schicksal der Kinder vom Bullenhuser Damm könnten kleine Schritte zum Frieden entstehen. Dann nämlich, wenn die Erkenntnis entstünde, alle Mitmenschen und Schüler gleich zu behandeln und niemanden auszugrenzen oder zu mobben.

Um die Gedenkfeier so kindgerecht wie möglich zu gestalten, wird den Viertklässlern der Grundschulen Anna-Susanna-Stieg und Rönnkamp stets viel Raum für das Ausdrücken ihrer Gedanken und Gefühle gegeben. Selbst gestaltete Plakate, Basteleien, eigenhändig formulierte Gedichte und Gedanken dürfen gezeigt und geäußert werden. Vor der Klagemauer mit den Bildern der getöteten Kinder können beschriftete Steine und Blumen niedergelegt werden.

In der Vergangenheit nahmen oft Verwandte der jüdischen Kinder an der Veranstaltung teil. Da die zentrale Gedenkfeier am Bullenhuser Damm am 20. April diesmal jedoch auf den Ostersonntag fiel und somit einige Tage später stattfand, war nur der in Hamburg lebende Alexander Zylberberg nach Burgwedel gekommen. löv

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