Wachsam bleiben

Der Landschaftsschutz ist ein großes Thema in Niendorf und Schnelsen

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Unter Landschaftsschutz stehen in Hamburg derzeit gut 20 Prozent aller Flächen, darunter auch das Ohmoor und große Teile Niendorfs und Schnelsens. Sie zu bebauen galt bisher als Tabu – doch das scheint nicht in Stein gemeißelt zu sein.

 

Nachdem Hamburgs oberster Naturschützer bei seinem Amtsantritt Ende 2013 davon sprach, dass städtebauliche Entwicklung gegebenenfalls auch auf Flächen möglich sein müsse, die  Landschaftsschutz genießen, hakte das Niendorfer Wochenblatt bei Bernd-Ulrich Netz bzw. bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) nach. Schließlich gibt es in Schnelsen und Niendorf große Landschaftsschutzgebiete (LSG). Was heißt das für diese Flächen?

Pressesprecher Volker Dumann antwortete ausführlich, wurde aber wenig konkret. Die Bilanz seiner Worte: Abgesehen von den großen landwirtschaftlich geprägten Bereichen in Harburg und Bergedorf stünden nahezu alle bedeutenden Freiflächen unter Landschaftsschutz. Daher mussten in der Vergangenheit immer wieder einzelne Flächen „nach sorgfältiger Abwägung aller Belange aus den LSG entlassen werden, um bauliche Entwicklungen zu ermöglichen. Es ist davon auszugehen, dass vergleichbare Fälle auch in Zukunft auftreten werden.“

Nun dürfe aber nicht der Eindruck entstehen, man opfere hier bedenkenlos zugunsten der Bebauung: „Die Fälle, in denen dem Landschaftsschutz Vorrang gegenüber anderen Nutzungen eingeräumt wird, sind weitaus zahlreicher als jene, in denen er zurückstehen muss“, so Dumann. Nur würden letztere Fälle stärker wahrgenommen. Jeder Einzelfall werde geprüft: „Grundsätzlich nehmen wir dort Landschaftsschutz zurück, wo Eingriffe mit dem Schutzzweck nicht vereinbar sind. Dies können Gewerbe- und Wohnungsbauvorhaben oder Infrastrukturprojekte sein.“

Kollauteich Ein schöner Fleck in der Schnelsener Feldmark Foto: sun

Schützer in Sorge

Angesichts der LSG-Vielzahl im Einzugsgebiet zeigt sich der Verein Pro Niendorfer Gehege wachsam: In einem Brief an die zuständige Senatorin Jutta Blankau äußerte der Vorstand angesichts der städtischen Wohnungsbauoffensive Besorgnis über Netzes Aussagen: Man sehe die LSG als Orte der Erholung in Gefahr.

                 

Wohin steuert die Marschrichtung der Stadt?

 

 Immerhin habe die BSU bereits 2007 ein Gutachten für Schnelsen in Auftrag gegeben, in dem Wohnhäuser im LSG südlich des Röthmoorstiegs für möglich gehalten wurden, wenn die Lärmbelästigung durch die A7 beseitigt wäre.

Da das nun in absehbarer Zeit der Fall sein wird, bat man darum, die Sorgen um den Landschaftsschutz in Hamburg zu zerstreuen. Die Antwort der Senatorin deckte sich mit der von Volker Dumann und schafft ebenso wenig Klarheit über die Marschrichtung der Stadt.

Währenddessen soll es neue Pläne für den Sassenhoff geben, der ebenfalls mitten im Landschaftsschutzgebiet liegt. Nach einem Hotelkomplex, wie er im Jahr 2000 thematisiert wurde, scheint es Gerüchten zufolge nun Ideen für ein anderes Großprojekt zu geben.  Wachsamkeit ist also auch hier angeraten. sun

 

Schutzgebiete

 

Weite Teile von Niendorf, Lokstedt und Schnelsen wurden 1957 unter Landschaftsschutz gestellt (auf der Titelseite die grün markierten Flächen). Die Verbote in der dazu gehörigen Verordnung schließen die Errichtung baulicher Anlagen aus. 1987 wurde das Ohmoor in Niendorf zum Schutzgebiet erklärt.

 

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