Einblick ins Berufsleben als Tierarzthelferin bekommt Helen (16) beim Praktikum in der Kleintierpraxis bei Dr. Sabine Rudat Foto: moe

Prozentsatz statt Genetik

In A-Klassen werden Schüler auf eine baldige Ausbildung vorbereitet

Archiv| Views: 133

In ihrem fünften Jahr haben sich die ausbildungsorientierten Klassen der Stadtteilschule Niendorf längst als Erfolgsmodell erwiesen.

 

In Hamburg hatten im vergangenen September 39 Prozent der Zehntklässler nach der Schule einen Ausbildungsplatz. „Bei uns sind es außergewöhnliche 70 Prozent“, sagt Thomas Schrader, Tutor und Teamsprecher der A-Klassen.

Bereits in der neunten Klasse wird mit Schülern und Eltern beraten, ob die Leistungen für die Abiturvorbereitung (O- Klasse) oder eine baldige Ausbildung (A-Klasse) sprechen. Fällt die Entscheidung für eine A-Klasse, bekommt das Thema Berufsorientierung eine große Bedeutung.

„Charakteristisch für unsere drei A-Klassen sind kleine Lerngruppen, die intensive Begleitung durch je zwei Tutoren, zwei Langzeitpraktika und der Betrieb als außerschulischer Lernort“, erklärt Elke Bernhardt, Tutorin und Koordinatorin für Berufs- und Studienorientierung in der Oberstufe.

Shari (15) möchte gern im Textilbereich arbeiten, macht sich im Langzeitpraktikum mit Einzel- und Großhandel in einer Modefirma vertraut. Ihr Mitschüler Tom (15) war im ersten Halbjahr in einer Kommunikations-Agentur, macht sich jetzt mit dem Beruf des Hörgeräteakustikers vertraut. An zwei Tagen pro Woche sind die Schüler in den Firmen. Vor allem im zweiten Halbjahr handelt es sich dabei um Ausbildungsbetriebe und somit um potentielle zukünftige Arbeitgeber.

Die intensive Beratung, der enge Kontakt zu Firmen und Eltern – all das trägt zum Erfolgsmodell bei. Zudem bekommen die Schüler innerhalb des Lehrplans praxisbezogenen Unterricht. Für sie sind Inhalte wie die Anwendung des Prozentsatzes, Englisch im Berufsleben, Arbeitsrecht oder Hygieneschutz wichtig. „Von Vorteil ist auch, dass wir zeitlich versetzt im Praktikum sind und der Unterricht an einigen Tagen in der halben Klasse stattfindet und damit sehr intensiv ist“, so Tom.

Die Fortschritte ihrer Schützlinge beeindrucken die Tutoren. Elke Bernhardt: „Unsere A-Klassen zeichnet ein enormer Reifeprozess aus. Durch das tiefe Eintauchen in die Beruf- und Erwachsenenwelt machen sie riesige Entwicklungssprünge.“ moe

 

Vorteile für beide Seiten

 

Von den Langzeitpraktika  profitieren Schüler und Arbeitgeber. Dr. Sabine Rudat von der Kleintierpraxis Niendorf: „Die Jugendlichen können bei mir in dem halben Jahr viel besser eingearbeitet werden, als in einem einwöchigen Praktikum. Dadurch ist die Joberfahrung für sie sehr intensiv. Sie wissen danach, ob das wirklich der richtige Beruf für sie ist – oder nicht. Das reduziert die Gefahr eines möglichen Ausbildungsabbruchs. Die Arbeitgeber wiederum lernen potentielle Bewerber gut kennen und müssen sich bei der Einstellung nicht auf ein knappes Gespräch verlassen.“

 

Comments are closed.