Die Grundschule Döhrnstraße hat bereits eine Mensa, doch viele Schulen müssen noch auf den Bau einer Kantine warten Foto: bk

Ganztagsbetreuung: eine Halbjahresbilanz

Viele Eltern wünschen sich Verbesserungen

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Ein halbes Jahr nach Einführung der schulischen Ganztagsbetreuung in Hamburg stellte der Bezirkselternausschuss das Thema in den Mittelpunkt seiner letzten Sitzung. Nach einem Info-Vortrag von Jens Kastner (GEW) wurde in der anschließenden Diskussion deutlich, dass die meisten Eltern die „GBS-Verwahrung“ als Verschlechterung im Vergleich zur früheren Hortbetreuung empfinden. Das Niendorfer Wochenblatt sprach darüber mit BEA-Vorstandsmitglied Christian Martens, Vater zweier Grundschüler aus Niendorf.

 

NW: Der BEA hat die Einführung der GBS-Betreuung (nicht GTS) aufmerksam verfolgt. Wie bewerten Sie diese Form der schulischen Ganztagsbetreuung?

Christian Martens: Es ist gut, dass Eltern und Kindern ein solches Angebot gemacht wird und dass sie die Wahl haben, es anzunehmen oder nicht. Problematisch ist jedoch die unzureichende Ausstattung der GBS-Schulen, die eine kindgerechte Betreuung nicht ermöglicht.

 

NW: Was sind die Hauptkritikpunkte?

Martens: Größtes Problem ist der unzureichende Betreuungsschlüssel. In Niendorf werden 23 Kinder von einer Erzieherin betreut. Eine weitere Gruppe kann erst aufgemacht werden, wenn weitere 23 Kinder angemeldet werden. Im Hort war der Betreuungsschlüssel deutlich geringer. Auch die Essenssituation ist unbefriedigend. Viele Schulen haben noch keine Kantine. Die Qualität des Schulessens ist häufig gering. Aus mehreren Schulen wurde uns  gemeldet, dass die Betreuung der Hausaufgaben mangels Personalausstattung nicht wie gewünscht läuft, dass für Inklusionskinder am Nachmittag keine Extra-Betreuung zur Verfügung steht und dass die Räume durch die längere Nutzung stärker verschmutzt sind.

 

BEA-Vorstandsmitglied Christian Martens
Foto: löv

NW:  Warum ist die Raumsituation an den meisten GBS- Schulen problematisch?

Martens: Die Klassenräume sind nur unzureichend für eine Betreuung am Nachmittag ausgestattet. Sie lassen sich nur begrenzt umgestalten. Den Schulen fehlen zusätzliche Räume wie Tobe- und Ruhezimmer, doch die sind nicht vorgesehen. Einige Schulen müssen noch mehrere Jahre auf den Bau einer versprochenen Kantine warten.

 

NW: Viele Eltern und Kinder empfinden den Tagesablauf als zu durchgetaktet. Müsste man für mehr Freiraum sorgen?

Martens: Es stimmt, viele Kinder und Erzieher empfinden den Tagesablauf als sehr straff. Wir begrüßen zwar ein abwechslungsreiches Kursangebot, sehen aber auch, dass die meisten Kinder nachmittags vor allem spielen möchten. Eine Möglichkeit, über die allerdings eine sehr geteilte Meinung herrscht, wäre der Verzicht auf Hausaufgaben.  löv

 

Welche Erfahrungen haben Sie mit GBS gemacht?  Schreiben Sie Anregungen oder Kritikpunkte an  leserbriefe@nie-wo.de oder info@bea-eimsbuettel.de

 

Info

 

GBS: Schulen mit ganztägiger Bildung und Betreuung mit außerschulischem Partner 

 

GTS: Ganztagsschulen in schulischer Verantwortung

 

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