Rund 150 Zuhörer waren in die Aula der Schule Döhrnstraße gekommen, um sich zu informieren, Fragen zu stellen oder ihre Hilfe anzubieten Foto: sun

Aufeinander zugehen

Im Grandweg/An der Lohbek ziehen 150 Flüchtlinge und Wohnungslose ein

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Etwa 150 Bürger nutzten am Freitagabend eine Infoveranstaltung, um sich über die Unterbringung von Zuwanderern und Obdachlosen in etwa 40 Lokstedter Wohnungen zu informieren, die im Grandweg und An der Lohbwek seit Monaten leer stehen.

 

Zu Beginn war die Stimmung gereizt, der Ton scharf, als sich einige Mieter aus den betroffenen Gebäuden Luft machten. Sie wähnten sich unter anderem vor vollendete Tatsachen gestellt, weil der Generalmieter fördern & wohnen (f&w) in den Wohnungen bereits Schlösser austauschen ließ, obwohl der Mietvertrag erst ab 1. März läuft. Dass dies zum üblichen Prozedere bei einer Neuvermietung gehört, machte Torsten Grube (f&w) ebenso klar wie Bezirksamtsleiter Dr. Torsten Sevecke.

Der zeigte im Laufe des Abends aber auch Verständnis für die Ängste einiger Zuhörer: „Wenn auf 120 Alt-Mieter 150 neue Nachbarn kommen, dann ist das eine Menge“, gab er zu. Er habe verstanden, dass dies vor allem für die Älteren eine Zumutung sei und nahm auch die Kritik am Gebäudeeigentümer mit, der mit seinen Bewohnern jahrelang nicht gut umgegangen sein soll.

So wie Lokstedter Höhe

Doch nicht nur Sevecke machte Mut, auf die neuen Nachbarn zuzugehen und jenen, die oft Schlimmes durchgemacht hätten, Hilfe anzubieten. Auch aus dem Publikum erhoben sich Bürger, die teils sichtlich bewegt von eigenen positiven Erfahrungen mit den Container-Bewohnern an der Lokstedter Höhe sprachen und dafür warben, dem Beispiel zu folgen.

Damit war der Knoten geplatzt. Pastor Bernd Müller-Teichert regte einen „Runden Tisch“ an, während ein Zuhörer sich als Fußballtrainer vorstellte und anbot, mit seinen Jungs und den jungen Zuwanderern Fußball zu spielen. Für diese und andere Ideen gab es Applaus.

Vereinzelt meldeten sich im Laufe des Abends aber auch Bürger zu Wort, die meinen, dass sie sich „vor diesen Leuten“ schützen müssen oder ihnen gewisse Pflichten auferlegen wollen. Insgesamt bleibt zu hoffen, dass sich die Ablehnung legen wird, wenn sich mit dem Einzug der neuen Nachbarn im März herausstellt, dass die Ängste weitestgehend unbegründet sind.

Bürgerhaus sucht Paten

Bezirksamtsleiter Dr. Torsten Sevecke warb für die Akzeptanz der Unterkunft und versuchte, den Bürgern Ängste zu nehmen Foto: sun

Derweil hat das Bürgerhaus Lokstedt ein Positionspapier mit Fragebogen für Patenschaften für den Grandweg ausgelegt. Der Tenor: Es soll den neuen Nachbarn so leicht wie möglich gemacht werden, im Stadtteil anzukommen und es werden Paten gesucht, die die neuen Bewohner unterstützen.

Am heutigen Mittwochabend, 26. Februar, findet im Hamburg Haus in Eimsbüttel übrigens eine weitere Veranstaltung statt, diesmal zur geplanten Zentralen Erstaufnahme in der Niendorfer Straße 99 in Niendorf.     sun

 

 

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