Schülerin Alina (12, li.) und ihr Bruder Leo (10) Foto: mf

Das sagen die Siemersplatz-Nutzer

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Insgesamt ist alles, was sich auf vier Rädern der Kreuzung Siemersplatz nähert, weitgehend zufrieden. Bei Dunkelheit und schlechtem Wetter fühlt sich aber manch Autofahrer etwas unsicher. Die neue Form des Abbiegens will geübt sein. 

Pressesprecher der VHH AG: Martin Beckmann Foto: VHH

Das Wissen, dass Radfahrer keine Knautschzone haben, gilt auch für den Siemersplatz: Wer ohne Licht und mit Stöpseln in den Ohren drüber radelt, riskiert viel. Auch für Fußgänger gilt: Augen auf im Straßenverkehr! Bei den nachfolgenden  Passagen handelt es sich um Personen, die ihre persönliche Meinung kundgetan haben oder aus behördlicher und betrieblicher Sicht sprechen. Damit erhebt die Umfrage keinen Anspruch darauf, repräsentativ zu sein.  

Aus Sicht der Polizei: Das Polizeikommissariat 23 hat bis zum Jahresende (nach dem 12. November) lediglich drei völlig unterschiedliche Verkehrsunfälle registriert. Das lässt laut Ralph Poluda, Leiter Prävention Verkehr, „keinerlei Rückschlüsse für eine Bewertung der Kreuzung in Bezug auf mögliche Mängel oder Sicherheitsdefizite zu.“  Die Januar-Unfallentwicklung ist noch nicht abschließend ermittelt, ein besonderes Gefahrenpotenzial sei bisher nicht erkennbar. Unmittelbar nach Einführung der neuen fahrbahnnahen Radführung gab es Hinweise, Radfahrer würden die Kreuzung entgegengesetzt der Fahrrichtung befahren. Zum Prüfen der Behauptung kam sogar die Fahrradstaffel der Polizei zum Einsatz – ohne Ergebnis. „So ein Verhalten ist auch kaum vorstellbar, bei der jetzigen Radführung wäre es wirklich gefährlich.“ Anfängliche subjektive Gefahreneinschätzungen zur Radführung hätten sich gelegt „und sind aus unserer Sicht objektiv auch nicht vorhanden wenn sich die Radfahrer rechtskonform verhalten. Dazu gehört neben der Nutzung der richtigen Fahrbahnseite auch das Fahren mit Licht bei Dunkelheit“, so Ralph Poluda. Aktuell gebe es aber keine Beschwerden. Im Gegenteil: „Es gibt Hinweise aus der Bevölkerung, dass der Verkehr insgesamt reibungsloser funktioniert. Anlieger und Autofahrer stellen vermehrt fest, dass es weniger Staus gibt und der Verkehr über den Knoten problemloser läuft. Die Ausweichverkehre haben spürbar abgenommen.“

Aus Senioren-/Fußgänger-Sicht: „Die Politik reagiert immer erst, wenn etwas passiert“, sagt Daryuch Bahramsoltani vom Bezirksseniorenbeirat mit Blick auf ältere Mitbürger, die sich zu Fuß zum Teil gar nicht mehr alleine über die Kreuzung trauen. Weil die Grünphasen für sie viel zu kurz sind und die Zwangspausen auf kleinen Verkehrsinseln mit Ängsten verbunden ist. Weil beim Aussteigen aus dem Bus immer wieder wie aus dem Nichts Radfahrer auftauchen und Fast-Zusammenstöße mit Fußgängern an der Tagesordnung sind. Er fordert den Rückbau, zumindest aber das Nachbessern der Kreuzung – barrierefrei und seniorengerecht.  

Aus Anwohner-Sicht: Für Optiker Helmut Sadler ist die Parksituation für die Geschäftsleute nach wie vor unbefriedigend: „Drei Plätze sind mit Baumaterial blockiert – die Arbeiten beginnen aber erst im Frühjahr. Die übrigen Plätze werden oft den ganzen Tag durch Anwohner blockiert, Kontrollen gibt es nicht. Die neue Kreuzung finde ich chaotisch. Die Grünphasen sind selbst für normale Fußgänger zu kurz, Senioren mit Gehwagen müssen auf Mini-Verkehrsinseln warten. Fahrbahnmarkierungen sind bei Schnee unsichtbar und die Radwege müssten farbig markiert werden – wie es sonst auch üblich ist.“ 

Aus Autofahrer-Sicht: „Ich bin mir noch ganz nicht sicher, ob ich die neue Verkehrsführung gut finde“, so Herbert Schmitt aus Niendorf. Fährt er jenseits der Rush Hour, ist die Kreuzung für ihn kein Problem. Bei Dunkelheit und Regen hingegen fordern ihm die reflektierenden Schilder, die blinkenden Pfeile und die Situation vor Ort viel mehr Aufmerksamkeit ab als sonst: „Wenn mal wieder ein Radfahrer wie aus dem Nichts auftaucht, ohne Licht über die Kreuzung prescht oder Autos sich falsch einordnen und im letzten Moment die Spur wechseln, dann hab ich extrem viel Stress und überlege mir für den Rückweg eine Ausweichstrecke auch über Nebenstraßen, gibt der 65-Jährige zu.

Aus Busfahrer-Sicht:  „Die Bauphase am Siemersplatz war für mich und meine Kollegen schon sehr stressig, aber nun ist die Situation deutlich besser als vorher“, zeigt sich Florian Gieseler, Busfahrer und Fahrdienstleiter der VHH AG, erleichtert. Pressesprecher Martin Backmann hat sich bei seinen Kollegen umgehört und positives Feedback zum Siemersplatz bekommen. Die Haltestellenbereiche seien übersichtlicher und besser anfahrbar geworden. Menschen mit Behinderungen könnten die Busse nun deutlich leichter erreichen. Und: „Die Ampelbeeinflussung arbeitet toll und Verspätungen auf unserer Linie 22 haben sich deutlich reduziert – das freut unsere Fahrgäste.“

Aus Kinder-/Radfahrer-Sicht: Alina (12) und ihr Bruder Leo (10) müssen auf ihrem Schulweg zum Corvey-Gymnasium von der Grelckstraße kommend täglich die Kreuzung überqueren. „Ganz am Anfang fand ich es toll, direkt neben den Autos zu fahren. Aber dann ist mir bewusst geworden, wie nah ich an den Lkw dran bin, das ist gefährlich. Meine Freunde und ich bleiben jetzt auf dem Bürgersteig. Da werden wir aber von Fußgängern angemotzt. Einmal hat eine Frau einen Freund von mir sogar mit der Handtasche geschlagen“, sagt Alina. Und Leo: „Die Ampel ist so schnell geschaltet und die Verkehrsinsel zum Warten ist so klein. Ein Freund musste deshalb mal mit dem Fahrrad auf der Straße stehen. Die Fahrrad-Ampeln finde ich aber gut und auch, dass an der Vogt-Wells-Straße nun statt des Zebrastreifens eine Ampel ist.“ sun/mf

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