Auch Taufen und Hochzeiten seit dem 18. Jahrhundert hat Hans-Joachim Kammradt schon erfasst Foto: mf

Einfache Menschen vor dem Vergessen bewahren

Der Lokstedter Hans-Joachim Kammradt erstellt Stammbäume der kleinen Leute des Kirchspiels Niendorf

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Hans-Joachim Kammradt hat sich viel vorgenommen: Anhand der Tauf-, Trau- und Sterberegister alter Kirchenbücher rekonstruiert er die Stammbäume ganz gewöhnlicher Menschen des Kirchspiels Niendorf. 2000 Datensätze hat er bisher angelegt.

 

„In der Kollauer Chronik sind meist nur die Repräsentanten, reiche Handwerker und Grundbesitzer vertreten, aber nicht Tagelöhner, Knechte oder Mägde“, so Kammradt. Diesen einfachen Leuten möchte er einen Platz in der Geschichte geben. Als Leiter der Revision des  Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein hatte er Zugang zu den Original-Kirchenbüchern und saß somit an der Quelle.

Die Stammbäume umfassen die Zeit von 1763 bis 1900 – für die Zeit danach verhindert der Datenschutz die Dokumentation. „Man ist in seinem Stand fast immer unter sich geblieben. Der Sohn eines Hufners, also eines Angehörigen des Bauernstandes, hat die Tochter eines Hufners geheiratet, selten eine Magd“, hat der 66-jährige bei seiner Arbeit festgestellt. „Die Kollauer Chronik ist in einigen Teilen falsch. Aus identischen Personen wurden oft zwei, da die Kosenamen nicht erkannt wurden.“ So sind Hermann und Harm identisch, ebenso wie Elisabeth und Elsabe. „Man muss sich ins Niederdeutsche hineindenken. Wenn wir mit unserem heutigen Wortschatz verstehen wollen, geht es daneben.“ Die Fertigstellung  seines Herzensprojektes wird noch zwei Jahre dauern, schätzt Kammradt, der als erstes von elf Kindern eines Straßenbahners „in einfachen aber glücklichen Verhältnissen“ in Lokstedt aufwuchs und über den zweiten Bildungsweg Abitur machte und BWL studierte. mf

 

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