Klartext: Politiker nehmen Stellung

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Dreieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl am 22. September stellen sich die Eimsbütteler Bundestagskandidaten von CDU, SPD, Grüne, FDP und der Linken wieder der Frage eines Lesers. Sein Thema: Schule und Bildung. 

Detlef Erdmann, Leiter des Gymnasiums Ohmoor: Im gesamten Bundesgebiet wird über das Abitur nach 8 oder 9 Jahren diskutiert. Gy8 wird häufig polemisch als Turbo-Abi bewertet mit angeblich großem Stress für alle Schüler, obwohl in Europa eher die Regel, denn die Ausnahme. Wie sieht Ihr Konzept aus, sich den bildungspolitischen Notwendigkeiten auf europäischer Ebene, den Wünschen eines Teils der Eltern, den Anforderungen der Unis und der Un­ternehmensverbände an die Kompetenzen der Schüler in diesem Zusammenhang zu begegnen?

 

Rüdiger Kruse, CDU: Die Interessen der Schüler müssen im Vordergrund stehen. Die Allgemeinbildung sollte sich nicht an möglichen Anforderungen zukünftiger Arbeitgeber orientieren. Wichtiger als Struktur-Reformen (wie z. B. G8 und G9) sind Verbesserungen des Un­terrichts: Mehr Lehrer und Lehrerfortbildung, eine bessere Ausstattung der Schulen und gezielte Zusatzförderung von Schülern, wo notwendig. Vor einem europäischen Standard sollten wir, gemeinsam mit den Ländern, zuerst auf nationaler Ebene eine bessere Vergleichbarkeit der Schulabschlüsse anstreben. Die Vielfalt der Bildungswege und vor allem das Gymnasium müssen dabei erhalten bleiben – bei Durchlässigkeit der Schultypen.

 

Niels Annen, SPD: Wir brauchen mehr Investitionen in Bildung, deshalb wollen wir das Kooperationsverbot aufheben, damit der Bund dauerhaft in Bildung investieren kann. Die Hamburger Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 möchte ich beibehalten. Wichtig für die Zukunft ist, die dualen Studiengänge auszubauen. Unser deutsches Ausbildungssystem ist weltweit konkurrenzfähig. Unser Ziel ist es, möglichst viele junge Menschen auszubilden, um in Zukunft dem Fachkräftemangel begegnen zu können.

 

Anna Gallina, Bündnis90/Die Grünen: Das Turbo-Abi stellt für viele Schüler/Innen zurzeit offensichtlich eine große Belastungssituation dar, die wir dringend ernst nehmen müssen. Grundsätzlich beide Varianten G8/G9 zu ermöglichen, halte ich für erstrebenswert. Der Schlüssel liegt vor allem in der Frage, wie der Unterricht konkret gestaltet wird. Die Ganztagsschule eröffnet hier gute Möglichkeiten. Ebenso glaube ich an die Stärkung von Kompetenzen durch längeres gemeinsames Lernen.

 

Burkhardt Müller-Sönksen, FDP: Die FDP Hamburg tritt für ein „Zwei-Säulen-Modell“ im Hamburger Schulwesen und der damit verbundenen Möglichkeit ein, das Abitur in acht Jahren am Gymnasium oder in neun Jahren an der Stadtteilschule gleichwertig zu erwerben. Parallel dazu muss die Durchlässigkeit zwischen Gymnasien und Stadtteilschulen in beiden Richtungen nach Klasse 10 realisiert und für Eltern und Schüler eine umfassende Beratung zu dieser Wahlmöglichkeit ge­schaffen werden. Es war falsch, die Lehrinhalte von neun Schuljahren einfach auf acht Jahre zu verdichten, hier ist eine grundlegende Überarbeitung der vorhandenen Lehrpläne erforderlich.

 

Kersten Artus, Die Linke: Das Kooperationsverbot, das Bund und Ländern eine Zu­sammenarbeit in der Bildung verbietet, muss endlich fallen. Wir wollen eine Gemeinschaftsaufgabe Bildung im Grundgesetz. Das G8 als Turbo-Abitur zu be­zeichnen, finde ich nicht polemisch. Der Stress der Schülerinnen und Schüler ist in der Tat groß: Unterrichtsausfall, zu große Klassen oder das unausgegorene Konzept der Stadtteilschulen erschweren gutes Lernen. Das darf nicht zu Schüler-Schelte führen. Nicht Ausgrenzung, sondern Inklusion ist unser Leitgedanke. Hierfür brauchen wir die Gemeinschaftsschulen sowie zusätzliche und gut ausgebildete Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter/Innen und weiteres pädagogisches Personal – und keine Einflussnahme der Unternehmen in Lehrpläne. Ich bin allerdings sehr dafür, dass Jugendliche früher und intensiver den betrieblichen Alltag kennenlernen.

 

Termine zur Wahl

Infostände


SPD-Infostand
Sa. 7.9., 10 bis 12 Uhr Niendorf-Tibarg; 10.30 bis 12.30 Uhr Lokstedt- Siemersplatz; 10 bis 14 Uhr Schnelsen-Frohmestraße

 

CDU-Infostand mit Rüdiger Kruse, Mi., 11.9., 10 Uhr, Lokstedt-Grelckstraße

 

FDP-Infostand Sa. 7.9., 10 bis 13 Uhr, Niendorf-Tibarg

 

Infostand der Grünen, Sa., 7.9., 10 bis 13 Uhr, Niendorf-Tibarg

Veranstaltungen

FDP-Fraktionsempfang mit Burkhardt Müller-Sönksen und Katja Suding (Bürgerschaft), Sa., 7.9., 14 bis 16 Uhr, Fraktionsbüro Lokstedter Steindamm 10, Anmeldung unter Tel. 55 55 55 50 

 

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