Die Kreuzung Tibarg- Niendorf Markt kurz nach dem Krieg, Trümmer sind keine mehr zu sehen, doch die Grundstücke sind kahl, nur einige Kioske haben am Straßenrand geöffnet Fotos: Max Möller

„Die Bilder haben sich eingebrannt“

Die Bombenangriffe auf Hamburg vor 70 Jahren

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Ziel der Bombenangriffe durch die West-Alliierten, die am 24./25. Juli ihren Anfang nahmen, war die St. Nikolai-Kirche in der Innenstadt. Doch auch die nordwestlichen Stadtteile wurden getroffen. Am Tibarg fielen  14 strohgedeckte Höfe den Angriffen zum Opfer.

„Die Bilder von damals haben sich eingebrannt“, sagen Christa und Hans-Joachim Jürs aus Schnelsen. Er lebte damals mit seiner Familie in Niendorf und war zwar selbst während der Bombennächte nicht in Hamburg, sondern zur Erholung an der Nordsee, aber als er zurückkehrte und die Zerstörung sah, war der Schock natürlich groß.

Mit seinem Vater, dem Friedhofsverwalter, lief Jürs über den Tibarg, der kaum wiederzuerkennen war: Der Gerdes Hof, die Höfe Sottorf und Timm, der ehemalige Hof Spreckelsen mit der Turnhalle und die Gaststätte „Zum Bäcker“ waren den Angriffen zum Opfer gefallen. 14 strohgedeckte Häuser brannten nieder, über 60 Menschen starben in den Bombennächten. „Die Häuserreste rauchten, alles lag in Schutt und Asche“, erinnert sich Jürs. Die Praxis von Dr. Scharf, das heutige Domizil vom Niendorfer Wochenblatt und Fahrrad Buck, überstanden das Feuer dank ihrer festen Bedachung.

Blick aus der alten Schule am Niendorfer Markt auf die Ruinen des abgebrannten Pastorates ? davor die Straßenbahn auf der Kollaustraße Foto: Max Möller, 1943

Auch das Pastorat mit den Kirchen- und Friedhofsbüro brannte nieder.  „Mein Vater rannte zum Gebäude, um die Akten aus dem Tresor zu retten. Dabei verbrannte er sich und die Dokumente gingen verloren. Da die Friedhofsakten damals doppelt geführt wurden, weiß man heute zum Glück noch, wer wo begraben liegt.“

Hans-Joachims heutige Ehefrau Christa, geborene Schulze-Herringen aus Schnelsen, war zehn Jahre alt, als die Bomben fielen. Sie hatte Glück – ihr Elternhaus in der Hamburger Straße (heute Frohmestraße 91) überstand die Angriffe, die wohl der Rüstungsfirma im Wählingsweg galten, unbeschadet. Doch die gegenüber liegende Eck-Gaststätte „Schnelsener Hof“, der Krämerladen und der Gemeindesaal wurden zerstört.

Wer in älteren Häusern ohne Betonkellerdecke lebte, musste Schutz bei Nachbarn suchen. Unvergesslich ist Christa Jürs der Strom von verletzten Menschen, die aus der Innenstadt flüchteten: „Auch bei uns in Schnelsen wurden die Verletzten vom Roten Kreuz betreut. Wir Kinder haben sie mit Apfelsaft aus der Süßmosterei versorgt.“

„Die Bilder von dem schrecklichen Bombenangriff sind eingebrannt“, bestätigt sie. „Es waren heftige Angriffe, jede Nacht war Alarm. Ich sehe noch die Ruinen.“ mf

 

Operation Gomorrha

 

Insgesamt sieben Angriffe flogen die West-Alliierten vom 24. Juli bis zum

3. August auf Hamburg. Mehr als 40  000 Menschen kamen dabei ums Leben. Das trockene, heiße Sommerwetter machte den zweiten Angriff vom 27. auf den 28. Juli zu einer Katastrophe: Aus den Flächenbränden wird bei heißen, trockenen Sommertemperaturen in den schmalen Straßen ein teilweise orkanartiger Feuersturm mit Temperaturen um 800 Grad. Menschen aus den primär betroffenen Stadtteilen östlich der Innenstadt flüchteten mit teilweise schweren Verletzungen Hals über Kopf aus dem Stadtgebiet.  Viele von ihnen trugen nicht viel mehr als nur ein Nachthemd am Körper.

 

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