Ungewissheit Die Leiterin des Jugendclubs Schnelsen-Süd Catarina Gomes Pereira erklärt den Jugendlichen, dass sie noch nicht weiß, welche Angebote wegen der Kürzungen wegfallen

Protest war erfolglos

Bei der offenen Kinder- und Jugendarbeit wird gespart

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Monatelang gab es Proteste gegen die Pläne des Hamburger
Senats, Kürzung von zehn Prozent in der offenen Kinder- und Jugendarbeit
vorzunehmen. Ohne Erfolg. Jetzt müssen die Einrichtungen sehen, wie sie damit
klarkommen. Ein Lagebericht aus dem Stadtteil.

 

„Dass gerade hier in Schnelsen-Süd gekürzt wird, verstehe
ich nicht ganz. Hier gibt es für die Jugendlichen ab zwölf Jahren sonst
nichts“, sagt die Leiterin des Jugendclubs Schnelsen-Süd im Graf-Johann-Weg
Catarina Gomes Pereira. Bei ihr verbringen Jugendliche bis 18 Jahren ihre
Freizeit, machen Sport, Spiele und Hausaufgaben, lernen kochen, nehmen an den
Projekten und Ausflügen des Clubs teil – und finden Ansprechpartner für
Probleme, über die sie sonst mit niemandem reden. Viele kommen aus den
Wohnblocks in der Spanischen Furt, in denen Mieter vieler verschiedener
Nationalitäten leben. Wo genau der Jugendclub das Geld einsparen soll, weiß
Catarina Gomes Pereira noch nicht. „Wir erhalten 22 000 Euro weniger im Jahr.
Das ist eine ganze Menge!“ Die Förderung beträgt jetzt 149 000 statt 171 000
Euro jährlich. Streichen werde sie sicher viele Kulturangebote für die Kids,
auch kleine Gruppenreisen fallen weg.

Massiv betroffen

„Trotz aller Proteste und Bemühungen ist es so gekommen, wie
wir befürchtet  haben. Die Kürzungen sind
im vollen Umfang beschlossen worden“, sagt Dagmar Grabbert von der Plakatwerkstatt
im Veilchenstieg in Lokstedt, in der hauptsächlich Mädchen handwerklich tätig
werden können. Grabbert: „Wir sind eine kleine Einrichtung. Von den bisherigen
anderthalb Stellen muss jetzt eine halbe Stelle wegfallen, da uns fast ein
Viertel des Budgets, insgesamt 22 000 Euro pro Jahr, gestrichen wurde.“ Einige
beliebte Angebote wird sie aufgeben und die Eintritts- und Materialpreise
anheben. Ihre Förderung wurde von 91 000 auf 69 000 Euro im Jahr reduziert.
Dabei muss die Werkstatt wie bisher 10 000 Euro Eigenmittel, ergänzend zu den
bezirklichen Zuwendungen aufbringen.

Nicht alle Einrichtungen sind gleich stark betroffen

Die betroffene Mitarbeiterin hat das Kündigungsschreiben
bereits erhalten. Jetzt sucht Grabbert private Paten für die Werkstatt (Info
unter www.plakatwerkstatt.de)

Nicht alle Einrichtungen, die offene Kinder- und
Jugendarbeit betreiben, sind gleich stark von den Kürzungen betroffen: Einige
müssen starke Einbußen verkraften, andere, wie der Jugendclub Burgwedel im
Königskinderweg, gar nichts. „Wir freuen uns, dass wir eine der wenigen
Jugendclubs in Hamburg sind, die von den beschlossenen Sparmaßnahmen in der
offenen Jugendarbeit 2013-2014 verschont geblieben sind. Wir möchten uns bei
allen Beteiligten, unseren Besuchern, Eltern, unseren Nachbarn in
Burgwedel,  Politikern,
Behördenvertretern sowie unseren Kooperationspartnern für die Unterstützung und
Solidarität bedanken“, teilt das Team des Jugendclubs mit und ergänzt: „Wir
kritisieren aber auch weiterhin die beschlossenen Sparmaßnahmen in der offenen
Jugendarbeit in unserer Stadt.“

Bei wieder anderen Einrichtungen wurden strukturelle
Veränderungen vorgenommen: Im  Spielhaus
Grothwisch wurde die Trägerstruktur 
verändert. Der neue Träger ist der Verband für Kinder- und Jugendarbeit
Hamburg e.V., der auch Träger des Kinder- und Familienzentrums ist. „Der
Verband wird das Spielhaus auch weiterhin mit dem Mütterzentrum in Burgwedel
betreiben, die das Elternkaffee am Vormittag anbieten werden“, so die Leiterin
des Spielhauses Silke Schlimme.

Anders als in anderen Stadtteilen Hamburgs bleiben in
Niendorf, Lokstedt und Schnelsen immerhin alle Einrichtungen weiter bestehen.
Dass Hamburg überhaupt bei der offenen Kinder- und Jugendarbeit kürzt, stieß im
Bezirk bei der Lokalpolitik einhellig auf Ablehnung. Durchgesetzt hat die
Entscheidung der Senat, der das frei werdende Geld in den Ausbau der Ganztags-
und Nachmittagsbetreuung in den Schulen investieren will. cvs

 

Familienfreundlichste Stadt Deutschands?

 

Der Rechnungshof der Stadt Hamburg mahnt in seinem  Jahresbericht, durch eine stärker strategisch
ausgerichtete Kinder-, Jugend- und Familienpolitik das Vorhaben des Senats
intensiver zu unterstützen, Hamburg zur kinder- und familienfreundlichsten
Stadt in Deutschland zu entwickeln. Dazu Klaus Wicher, Vorsitzender des
Sozialverbandes Deutschland, Landesverband Hamburg: „Der Sozialsenator muss
alles daran setzen, die Jugendhilfe personell und strukturell weiter so
auszurichten, dass eine sichere Betreuung von benachteiligten Familien und
Jugendlichen möglich ist“. Es dürfe weder in der offenen Kinder– und
Jugendarbeit noch in der dezentralen Stadtteilarbeit Kürzungen geben.“

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