Rauschten nur zwei Sommer am Siemersplatz: Die vom Verein Aktives Lokstedt gestifteten Linden müssen weg

Wird bald abgeholzt?

Umpflanzungen der jungen Linden am Siemersplatz ungewiss

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Jahrelang haben sich Anwohner,
Geschäftsleute und Schüler für die Begrünung des Siemersplatzes engagiert.
Jetzt sollen die erkämpften Bäume im Zuge der Umbaumaßnahmen für die  Busbeschleunigungsspur weichen. Die Pflanzung
von 19 neuen Bäumen  ist noch nicht
sicher. 

 

„Das ist eine Katastrophe. Das
mühsam gesammelte Geld ist einfach weg.“ Ilse Schneider vom Friseursalon Paul
Schneider ist fassungslos. 28 000 Euro sammelte sie zusammen mit den
Mitgliedern von „Aktives Lokstedt – Verein zur Begrünung des Siemersplatzes“.
Kaufleute und Kunden spendeten Geld und Schüler des Corvey Gymnasiums
unterstützten das Anliegen mit einer Plakataktion.


Temporäre Pflanzungen

Im April 2011 konnten auf dem
Mittelstreifen der Osterfeldstraße vier Linden gepflanzt werden, eine weitere
folgte auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung Kollaustraße/Ecke
Vogt-Wells-Straße. Da der Mittelstreifen nun für die Abbieger vom Lokstedter
Steindamm auf die Vogt-Wells-Straße geöffnet wird, müssen die Bäume weichen. „Es
war von vornherein klar, dass die Pflanzungen temporär und im Hinblick auf die
Baumaßnahmen nicht dauerhaft sein würden“, so Hartmut Schulz, Leiter der
Abteilung Stadtgrün vom Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt in Eimsbüttel.
Für Dr. Kay Petersen, Gründer der Bürgerinitiative „Aktives Lokstedt – Verein
zur Begrünung des Siemersplatzes“ ist das absurd.

Hätte Dr. Kay Petersen von den
Plänen einer Begrünung in absehbarer Zeit gewusst, hätte er nicht soviel Zeit
und Geld investiert. Etliche Ausgaben, unter anderem für ein Gutachten, hat der
Geschäftsführer des Wibo-Werks persönlich übernommen.

Michael Aldag, Vorstand des
Lokstedter Gewerbevereins Kaufleute und Co., wurde  von behördlicher Seite eine Umpflanzung
zugesichert.  Doch: Das Gutachten der
Firma Hagen Baumbüro, das dem Niendorfer Wochenblatt vorliegt, hält das
Umsetzen der fünf Linden für durchführbar, stellt jedoch in Frage, ob dies im
Verhältnis zu den entstehenden Kosten steht und empfiehlt eine Neupflanzung.
Die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) teilt daraufhin mit:
„Auf der Grundlage einer gutachterlichen Stellungnahme wurde entschieden, dass
aufgrund der Vitalität der Bestandsbäume auf eine Umsetzung verzichtet wird.“
Stattdessen sollen hier Akazien gepflanzt werden. Insgesamt 19 Neupflanzungen
sind am Siemersplatz angedacht. Ob diese tatsächlich gepflanzt werden, bleibt
unklar. Hartmut Schulz verweist darauf, dass erst noch geprüft werden müsse, ob
überhaupt Platz für die Bäume und keine Leitungen im Weg seien.

Das Gutachten rät sogar ab:
„Mittelinseln oder Mittelstreifen von Fahrbahnen eignen sich in der Regel
selten zum Pflanzen von Bäumen.“  Dr.
Petersen hat für die Umbaumaßnahmen Verständnis, nicht aber für den Umgang mit
bürgerlichem Engagement. Dass der Verein die Kosten für die Linden erstattet
bekommt, hält er für unwahrscheinlich. An der Belebung des Siemersplatzes
möchte er aber festhalten und hofft „auf eine Erstattung der verauslagten
Kosten in Grün“.  mf

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