Endlich Ende der Praxisgebühr

Patienten freuen sich über das Aus der Gebühr. Was sagen die Ärzte dazu?

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Seit Neujahr ist die Praxisgebühr Geschichte. Denn Mitte
Dezember entschied der Bundesrat über ihr Aus. Viele Patienten atmen auf. Doch
was sagen die Ärzte dazu? Das Niendorfer Wochenblatt hat einige Mediziner aus
der Umgebung befragt.

Dr. med. A. Katzer, Facharzt für
Chirurgie und Unfallchirurgie, Orthoclinic Hamburg, Schnelsen

Der Wegfall der Praxisgebühr ist
für uns ein Segen. Sie beeinträchtigte vor allem Patienten, die aufgrund ihrer
Erkrankung(en) zu häufigen Arztbesuchen gezwungen aber nicht
gebührenbefreit  waren. Der bürokratische
Aufwand betrug pro Praxis jährlich rund 120 Stunden. Nun haben die Mediziner
mehr Zeit für ihre Patienten. Mit der Abschaffung wird die ärztliche
Überweisung auch nicht zur bloßen Gebühren-Quittung degradiert. Eine
Steuerungsfunktion bleibt aber unabdingbar, damit die Patientenversorgung
geregelt und übersichtlich bleibt. Da hat sich das ,Primärarztsystem’ meines
Erachtens gut bewährt, welches den 
Status und die fachliche Kompetenz der Allgemeinmediziner adäquat
aufwertet.

 

 

Dr. med. Monika Falcke, Fachärztin
für Allgemeinmedizin, Niendorf

Die Verwaltungsarbeit am Tresen
wird mit dem Wegfall der Praxisgebühr deutlich weniger und entspannter. Was
aber bleibt ist das Überweisungsgebot nach Paragraf 24 Bundesmantelvertrag der
Ärzte. Danach hat ein Vertragsarzt die Durchführung erforderlicher
diagnostischer und therapeutischer Leistungen durch einen anderen Vertragsarzt
mittels Überweisung zu  veranlassen.
Sollten Patienten auf eigenen Wunsch einen Facharzt frei wählen, müssen sie
zwar nicht zwingend einen Überweisungsschein des  ,Erstbehandlers’ im Quartal vorlegen, doch
ohne Überweisung erfolgt auch kein Behandlungsbericht für den Hausarzt und
keine Koordinierung von Diagnostik und Therapie für den Patienten.

 

Steffen Grewe, Zahnarzt, Praxisgemeinschaft
Dr. Bublitz & Partner, Schnelsen

Von uns Zahnärzten wird die
Abschaffung der Praxisgebühr einhellig begrüßt, denn dadurch entfällt der
erhebliche bürokratische Aufwand beim Einziehen der Gebühr, der uns in unserer
Praxis mit fünf Zahnärzten ungefähr eine halbe 
Stelle einer Verwaltungskraft gekostet hat. Jetzt haben wir mehr Zeit
für die Betreuung unsere Patienten.

Als Kontrollorgan für
Überweisungen war die Praxisgebühr nutzlos. Denn die Erfahrung zeigt, dass wir
auch ohne diese Zuzahlung die erste Anlaufstelle für unsere Patienten und damit
für die Weiterleitung zum Spezialisten verantwortlich sind.

 

Darum ging es

 

Seit 2004 zahlten die Versicherten
in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bei Arzt-, Zahnarzt- oder
Psychotherapeutenbesuchen sowie im kassenärztlichen Notdienst einmalig für das
jeweilige Quartal 10 Euro als Praxisgebühr.

Mit der Einführung wurde eine
finanzielle Entlastung der gesetzlichen Kassen angestrebt und sollten
„Selbstüberweisungen“ zu einem Facharzt begrenzt werden. Aufgrund des der 20
Milliarden Euro Rücklagen in der gesetzlichen Krankenversicherung wurde die Praxisgebühr zum 1. Januar 2013
gestrichen. 

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