Ohne Genehmigung wurden diese Tiefbauarbeiten durchgeführt. Noch ist unklar, welche Folgen die Öffnung des versiegelten Bodens auf dem kontaminierten Gelände hat

Ärger im Offakamp

Ungenehmigte Bauarbeiten auf dem Gelände der Flüchtlingsunterkunft

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Für mächtig Zündstoff sorgt  die geplante Unterkunft für Zuwanderer und Wohnungslose auf dem ehemaligen Recyclinghof im Offakamp.

 

Zunächst waren es die Anwohner, die während eines Infoabends am 11. Dezember ihr Unverständnis für die Pläne äußerten. Sie verwiesen auf den Bebauungsplan Lokstedt 58, der das Areal nur für eine Gewerbenutzung vorsieht. Eine soziale Nutzung wird darin ausgeschlossen, weil sich unter dem Gelände eine bis 1929 betriebene  Hausmülldeponie befindet.

Tatsächlich wurde in einem 2005 erstellten Gutachten eine Schadstoffbelastung des Erdreichs festgestellt, die allerdings als gesundheitlich unbedenklich eingestuft wurde, so lange die asphaltierte Oberfläche versiegelt bleibt. Die Vertreter der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) versicherten, dass  es keine Bauarbeiten geben werde. Die vorhandene Bebauung und die vorgesehenen Wohncontainer reichten für die Unterbringung von 177 Menschen aus.
Mit dieser Zusicherung im Ohr mussten die Anwohner dann tags darauf feststellen, dass ein Bauarbeitertrupp den Boden des Recyclinghofs großflächig aufriss, um Versorgungsleitungen zu verlegen. „Das ist ein Ding der Unmöglichkeit“, empörte sich Nachbar Norbert Stapelfeld. „Es kann doch nicht sein, dass bei solch einem Projekt rechtstaatliche Voraussetzungen umgangen werden!“  Auch Anwohner Freigang Müller bewertet die „Nacht- und Nebelaktion“ als formal nicht korrekt. „Hier sollten Tatsachen geschaffen werden!“

Groß war das Interesse beim Infoabend für Anwohner am Dienstag vergangener Woche in Lokstedt

Veranlasst wurden die Arbeiten vom Träger „fördern und wohnen“, der im Auftrag der BASFI die Flüchtlingsunterbringung organisieren soll. Allerdings geschah das sowohl  ohne Genehmigung als auch ohne Wissen des Bezirksamtes, wie Pressesprecher Stephan Glunz bestätigte.

Eigentlich sollte die Bezirksversammlung den von der BASFI vorgesehenen  Aufbau der Flüchtlingsunterkunft am vergangenen Donnerstag formal beschließen. Doch erst auf dieser Sitzung wurde das Gremium von den Anwohnern über die Bodenarbeiten informiert. Die Verärgerung war entsprechend groß. „Die Tatsache, dass nur wenige Stunden nach der ersten Infoveranstaltung der Boden entsiegelt wird, ist in Anbetracht der offenen Fragen eine Frechheit“, entrüstete sich CDU-Fraktionsvorsitzender Rüdiger Kuhn.


Sofortiger Baustopp

Am Freitag veranlasste Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke einen sofortigen Baustoppp für alle Tiefbauarbeiten. Zudem erließ er die Anordnung, einen Zaun um den ausgehobenen Graben zu ziehen und eine Plane darüber zu legen, damit keine Sand- und Staubpartikel verteilt werden. Wie es nun weitergeht, bleibt spannend.

„Ob das Vorhaben gefährdet ist, kann erst im Rahmen eines Genehmigungsverfahrens  ge­klärt werden“, sagte Pressesprecherin Aileen Röpcke vom Bezirksamt. Am Montag lag allerdings noch kein entsprechender Antrag von „fördern und wohnen“ vor. Ob und mit welchen Konsequenzen das soziale Dienstleistungsunternehmen wegen der Tiefbauarbeiten zu rechnen hat, muss noch beraten werden.

Trotz des ganzen Ärgers stimmte die Bezirksversammlung der Errichtung der Gemeinschaftsunterkunft für „einen befristeten Zeitraum von maximal zwei Jahren“ zu. Allerdings soll der Senat parallel nach alternativen Flächen suchen und die BASFI dazu angehalten werden, ein Immissionsgutachten „zum Nachweis gesunder Wohnverhältnisse“ vorzulegen. löv

 

Zahlen und Fakten:

 Die Zahl der Asylbewerber ist 2012 bundesweit stark gestiegen. Bis zum Jahresende wird mit insgesamt 70 000 Asylsuchenden gerechnet. Starke Zuströme gibt es vor allem aus Serbien und Mazedonien. Als Grund hierfür gilt die Aufhebung der Visapflicht. Aber auch die Zahl der Flüchtlinge aus Afghanistan oder dem Iran ist hoch. Während im ersten Halbjahr 2012 pro Monat durchschnittlich 80 Asylsuchende nach Hamburg kamen, sind diese Zahlen seit September auf rund 300 Bewerber monatlich gestiegen. 

 

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