Wünscht sich Anerkennung für ihre Mutter (r.) und deren Kollegen: Jule Schulz (16) aus Niendorf Foto: privat

„Ich bin stolz auf meine Mom!“

Schülerin Jule Schulz über die Krankenpflege während Corona

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Jule Schulz ist 16 Jahre alt und besucht die Stadtteilschule Niendorf. Seit der Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen ist ihr Respekt für ihre alleinerziehende Mutter, die als Krankenschwester arbeitet, nochmals gestiegen. Warum das so ist und was sie an der Politik wütend macht, wollte die Schülerin eigentlich in einem Leserbrief schreiben. So viel Engagement hat die Redaktion beeindruckt. Wochenblatt-Redakteurin Miriam Flüß hat mit der Niendorferin gesprochen.

Niendorfer Wochenblatt: Jule, du hast an die Redaktion gemailt: „Ich würde gerne schreiben, wie meine Mom mit ihrem Job und allem während Corona umgegangen ist.“ Wie kam es denn dazu?
Jule Schulz: Meine Mutter ist Krankenschwester, auch auf der Intensivstation. Auch viele weitere Familienmitglieder und Freunde arbeiten in der Krankenpflege. Während Corona müssen sie mehr Überstunden leisten und haben auch ein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Ich war sehr enttäuscht, dass die Politiker den Corona-Bonus nicht auch für diese Berufsgruppe umgesetzt hat. Es wurde ein paar Wochen über den Bonus geredet und den Schwestern und Pflegern applaudiert, und dann ist nichts passiert.

NW: Hast du dir Sorgen um deine Mutter gemacht?
Schulz: Ja, und auch um andere Familienmitglieder. Meine Mom hat auch Corona-Patienten betreut und war belasteter als sonst. Sie hat sich öfter zurückgezogen und brauchte Ruhe. Ein Krankenpfleger aus dem Freundeskreis sollte zur Arbeit erscheinen, obwohl er angeschlagen war und Halsschmerzen hatte. Darüber war ich entsetzt.

NW: Wie war denn die Situation zu Hause während des Lockdowns?
Schulz: Wir sind uns ziemlich auf die Nerven gegangen! Meine 18-jährige Schwester macht gerade ihr Fachabitur und war wie ich im Homeschooling, aber wir haben nur einen PC.
Wir haben versucht, meine Mutter etwas zu entlasten und das Einkaufen übernommen und auch mehr im Haushalt geholfen.

NW: Verhältst du dich aufgrund des Berufes deiner Mutter vorsichtiger als Altersgenossen, die beispielsweise in der Schanze feiern?
Schulz: Ich bin dadurch sensibler und treffe mich nur mit den gleichen Freunden. Der Kontakt kann ja auch gut über Facetime oder das Handy gehalten werden. Außerdem habe ich ein sehr enges Verhältnis zu meinen Großeltern und meinem Großonkel, die möchte ich nicht gefährden. Feiern gehen würde ich nicht. Ich mache mir Gedanken wegen einer zweiten Welle, die ja noch schlimmer werden soll. Und wenn ein Impfstoff gefunden ist, ist der ohne Langzeitstudien aus meiner Sicht auch riskant.

NW: Was würdest du dir für deine Mutter und ihre Berufskollegen wünschen?
Schulz: Schwestern und Pfleger sollten eine finanzielle Anerkennung für das bekommen, was sie leisten. Für die vielen Baustellen in Hamburg, den ewigen Bau an der A 7 und die Rettung von Firmen ist ja auch Geld da! mf

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