Nur die Harten kommen an der Kollaustraße durch: Artenvielfalt mit Breitwegerich, Beifuß und Schafgarbe am Straßen- rand und auf Verkehrsinseln Fotos: kn

Darum muss das
Unkraut wuchern!

Neue Lebensräume für die Tier- und Pflanzenwelt

Archiv| Views: 274

Es sprießt auf Kreuzungen, Verkehrsinseln und am Straßenrand im Bezirk
Eimsbüttel. Der Wildwuchs ist für viele Hobbygärtner ein Graus.
Dabei ist der Lebensraum für Pflanzen in der Stadt nicht zu unterschätzen.

Die Verkehrsinseln im Stadtteil Niendorf präsentieren sich an der Kollaustraße grün und gepflegt, in den Nebenstraßen und an den dortigen Straßenrändern herrscht Wildwuchs und Fugenvegetation.

Dazu erläutert Kay Becker, Pressesprecher vom Bezirksamt Eimsbüttel: „Straßenbegleitgrün wird vor allem in Kreuzungsbereichen von Straßen regelmäßig geschnitten, damit es zu keiner Sichtbehinderung beim Abbiegen kommt. Zur Förderung des Lebensraumes der massiv rückgängigen Insekten versuchen wir mit Hilfe des Straßenbegleitgrüns kleine ‚Rückzugsinseln’ zu schaffen. An manchen Stellen pflanzen wir Staudenbeete mit Blühpflanzen, an anderen Stellen werden sogenannte Langgraswiesen geschaffen. Durch weniger Mähvorgänge innerhalb des Jahres kann das Gras höher wachsen, und langfristig können sich auch Wildkräuter ansiedeln, was wiederum zur Folge hat, dass sich die Artenvielfalt der Tier- und Pflanzenwelt erhöht.“

Stadt bietet besondere Entwicklungsbedingungen

Langgraswiesen und Fugenvegetation in der Stadt sollte man nicht unterschätzen. Das bestätigt auch Chrissi Breyer, Kräuterexpertin aus Eimsbüttel. „Es ist erstaunlich, dass sich eine so vielfältige Flora mit vielen Heilkräutern unter so harten Bedingungen in der Stadt ansiedelt. So hält seit ein paar Jahren der Nelkenwurz Einzug in die Städte. Er siedelt sich auf stillgelegten Bahngleisen an. Ihm und einigen anderen Pflanzen wird nachgesagt, dass sie Schwermetalle aus dem Boden ziehen. Es scheint, als würde die Natur ihr ökologisches Gleichgewicht selbst regulieren.“

Brachflächen mitten in der Stadt an vielbefahrenen Straßen machen Sinn. Dazu der Bezirksamtsprecher Becker: „Dass jedes Insekt auf der Windschutzscheibe endet, ist natürlich Unfug. Es gibt keine signifikante Korrelation zwischen Windschutzscheibe, Insektentod und Verkehrsinseln. Der perfekt mit der Nagelschere getrimmte, magere Rasen mag zwar immer noch der Inbegriff eines gepflegten Straßenbildes sein, das Hauptproblem ist der eklatant fehlende Lebensraum für die Insekten. Ohne unsere Maßnahmen würde es sonst bald keine Insekten mehr in der Stadt geben.“ kn

 

Comments are closed.