Was erwarten Sie von der Politik?

In unserer Umfrage haben wir Wähler aus Lokstedt, Niendorf und Schnelsen befragt

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Der Tag der Entscheidung rückt näher: In zweieinhalb Wochen ist Bundestagswahl. In den vergangenen zwei Ausgaben konnten sich unsere Leser über die Direktkandidaten ihres Wahlkreises sowie deren Kernthemen informieren. Nun lassen wir die Wähler selbst zu Wort kommen. Wir haben Menschen aus unseren Stadtteilen befragt: „Was erwarten Sie von der Politik?“

 

Till Kötter (17) aus Lokstedt: „Ich finde, die großen Parteien sind sich ihres Regierungsauftrags zu sicher. Das Prinzip der Volksnähe ist verloren. Könnte ich wählen, würde ich meine Stimme unbedingt ernst nehmen, mich aber für eine kleinere Partei entscheiden – aus Protest und um die Standard-Parteien aufzurütteln, weil ihnen Prozente verloren gehen. Ich finde es wichtig, wählen zu gehen. Aber es ist gut, dass das erst ab 18 Jahren erlaubt ist. Denn mit 16 Jahren ist man noch sehr beeinflussbar. Das ist noch zu früh für ein verantwortungsbewusstes Handeln.“

 

Alfred Dominico (64) aus Schnelsen: „Angi wird und muss bleiben. Sie hat den G-20-Gipfel und vieles andere so souverän gemeistert, da wird es für die SPD schwer werden, sich durchzusetzen. Mir persönlich liegt das Thema Umwelt besonders am Herzen. Ich werde die Partei unterstützen, die den Daumen auf die Pestizide hält. Auch die Schadstoffe in den Eiern sind ein Skandal. So etwas darf und muss nicht passieren. Vor der Wahl verfolge ich gern im Fernsehen die politischen Sendungen und Polit-Talk-Shows mit Anne Will und Maybrit Illner und bilde mir daraus meine Meinung’.”

 

Claus Hoppe (40), Pastor in Lokstedt: Ich wünsche mir, dass die Politik sich verstärkt für eine offene und multikulturelle Gesellschaft einsetzt, in der Männer und Frauen egal aus welchen sozialen und kulturellen Hintergründen, die gleichen Chancen haben. Ich hoffe, dass die Politik endlich Möglichkeiten benennt, wie die Kluft zwischen Arm und Reich und besonders die Kinderarmut in Deutschland konsequent bekämpft werden kann. Und schließlich träume ich von einer Gesellschaft, in der Ausgrenzung und Fremdenhass keinen Platz mehr haben, einer Welt, in der Integration endlich gelebt wird. Auch hier sehe ich die Politik in der Pflicht.

 

Christian Ahlström (40) aus  Lokstedt: Ich bin mir noch nicht sicher, welche Partei ich wählen werde. Ich wünsche mir eine umfassende Umweltpolitik, die eine nachhaltige Wirtschaft und den Erhalt von Artenvielfalt und Lebensräumen fördert. Besonders wichtig ist mir auch eine Bildungspolitik, die die kommenden Generationen auf die Herausforderung der Digitalisierung vorbereitet. Die Verkehrspolitik sollte so gestaltet sein, dass Alternativen zum Individualverkehr massiv gefördert werden. Die Europäische Integration muss trotz Brexit und stärkerer nationaler Tendenzen vorangetrieben werden.

 

Helena Peltonen aus Lokstedt: „Von der Politik erwarte ich in der nächsten Legislaturperiode zwei Dinge, die beide eher Grundlage und Voraussetzung für alles andere sind. Erstens wünsche ich mir, dass unsere Hamburger Abgeordneten im Bundestag eine Art überparteiliche Allianz der Offenheit und des Anstands gründen, die sich eine Grundhaltung für eigenes Verhalten und alle Entscheidungen vergibt. Dabei können sie sich auf Ideen aus Hamburg stützen. Hier hat sich zum Beispiel das Hamburgische Transparenzgesetz seit fünf Jahren bewährt, Nachvollziehbarkeit der Politik ermöglicht und sogar Effizienz der öffentlichen Verwaltung gestärkt.

Zweitens erwarte ich, dass die Politik dem verbreiteten Gefühl des Nicht-Repräsentiert-Seins unter so vielen Bürgern aktiv begegnet und auch auf Bundesebene Abstimmungen ermöglicht, wie es auf Kommunal-, Länder- und EU-Ebene auch geschieht.“

 

Ute Kröpelin, Leiterin des 36Albertinen Herz- und Gefäßzentrums: „Die Politik muss aktiver werden, um dem Fachkräftemangel insbesondere in der Pflege entgegenzuwirken. Dazu gehört auch, dass die Personalkostensteigerungen der Krankenhäuser vollständig refinanziert werden. Darüber hinaus wünsche ich mir sehr, dass endlich auch mal die Chancen und die Entwicklungsmöglichkeiten in der Pflege thematisiert werden. Wer einen helfenden, sinnstiftenden und nicht zuletzt auch krisensicheren Beruf sucht, kommt an der Pflege nicht vorbei.“

Umfrage: bk, cs, kn, mf, moe

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