Wünschen sich eine höhere Wertschätzung der Jugendarbeit: KiFaz-Leiter Werner Brayer (li.) und Meinhard Lamp’l, Leiter des Jugendclubs Burgwedel Foto: löv

Rotstift wird spürbar

Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit klagen über Kürzungen

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Eine viertel Stelle weniger im Spielhaus Surcis Goldinger, erste Einschnitte bei Angeboten im Jugendclub Burgwedel, 40 Prozent weniger Honorarmittel im Haus der Jugend Niendorf (HdJ). Das sind die Auswirkungen der Sparwelle, die die Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) seit einer Kürzung von rund 3,5 Millionen Euro (10,3 Prozent) im Doppelhaushalt 2013/2014 der Stadt getroffen haben.

 

Erschwerend hinzu kommt, dass die Einrichtungen in diesem Jahr erstmals die sogenannten Tarifverstärkungsmittel, die Lohn- und Gehaltserhöhungen der Mitarbeiter ausgleichen, durch Einsparungen bei Sach- und Honorarmitteln erbringen sollen. Bislang wurden diese Gelder über vorhandene Restmittel und Umschichtungen vom Bezirk (re-)finanziert. „Für 2014 wird es deutlich schwieriger, so zu verfahren, da die Rahmenzuweisungen praktisch keine Spielräume mehr zulassen“, sagte Sprecherin Aileen Röpcke.

Für Meinhard Lamp’l (Leiter Jugendclub Burgwedel) ist das „eine harte Nummer“. Aktuell verfügt sein Haus jährlich über 1000 Euro für Honorarkräfte und Sachkosten für Ausflüge oder besondere Kursangebote. Demgegenüber stehen mehr als 7000 Euro an Personalkostensteigerungen. „Wir kommen 2014 nur über die Runden, weil einer unser beiden Vollzeit-Mitarbeiter für mehrere Monate in Elternzeit geht!“

Grenzen sind erreicht

Auch für KiFaZ-Leiter Werner Brayer sind die Grenzen des Einsparpotenzials erreicht. „Drunter geht nichts mehr“, sagt er und verweist auf Schwierigkeiten, im Urlaub- oder Krankheitsfall das Angebot im Spielhaus aufrechterhalten zu können. Das Argument, dass die OKJA in Zeiten von schulischer Ganztagsbetreuung weniger benötigt werde, lässt er nicht gelten. „Wir haben einen stabilen Zulauf mit leicht steigender Tendenz.“ Im Jugendclub Burgwedel und im Haus der Jugend Niendorf stehen die Kids spätestens ab 16 Uhr auf der Matte. Manchmal auch früher, denn beide Einrichtungen und auch das  Spielhaus Surcis Goldinger kooperieren mit GBS-Schulen, und bieten nachmittags Kurse wie Kochen für Jungs, Boxen oder Comic- zeichnen an.

Dabei haben die Sozialpädagogen eine wichtige Beobachtung gemacht. „Die Hälfte der Schüler ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aufnahmefähig. Viele wollen einfach nur einen Raum, in dem sie vom Leistungs- und Bewertungsdruck befreit sind und wo sie Wertschätzung und Unterstützung erfahren, auch wenn es gerade nicht so gut läuft“, weiß Lamp’l.

Er und seine Kollegen wünschen sich ein politisches Bekenntnis zur offenen Kinder- und Jugendarbeit. Bei einem Krisengespräch zwischen Sozialsenator Detlef Scheele und den Vorsitzenden der bezirklichen Jugendhilfeausschüsse gab es vor gut zwei Wochen ein entsprechendes Signal. Laut Marcel Schweitzer (Pressesprecher der Sozialbehörde) ließ Scheele verlauten, dass die OKJA ein zentraler Bestandteil der Jugendhilfe sei und keine weitere Absenkung der Ansätze im kommenden Etat bevorstehe. löv

 

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